Sechsundfünfzigstes Kapitel
Die vorkapitalistischen Wirtschaftssysteme(Das Handwerk)
Von den vorkapitalistischen Wirtschaftssystemen ragen in unsereZeit hinein die Eigenwirtschaft und das Handwerk.
Die Eigenwirtschaft hat sich in allen Bereichen des Wirtschafts-lebens bis heute erhalten. Unsere Hauswirtschaft ist zu einem beträcht-lichen Teile Verzehr- und Erzeugungswirtschaft in Einem geblieben,wenn auch, wie wir das festzustellen Gelegenheit hatten, die wichtigstenProduktionsvornahmen, die einst ihr Rückgrat bildeten, herausgebrochensind: siehe das 23. Kapitel. Auf dem Lande, zumal in der bäuerlichenWirtschaft, ist der eigenwirtschaftliche Einschlag größer geblieben.Ich werde in der folgenden Darstellung, die das Bauerntum zum Gegen-stände hat, noch darauf zu sprechen kommen. Allgemein ist über dieEigenwirtschaft zu bemerken, daß sie auf keine Weise zahlenmäßigfaßbar ist. Wir müssen uns deshalb mit diesem kurzen Hinweis be-gnügen.
Anders steht es mit dem Handwerk. Es steht im vollen Lichteder Statistik, so daß wir seine Bedeutung auch ziffernmäßig zum Aus-druck bringen können. Was ist mit ihm geschehen im Zeitalter desHochkapitalismus ?
Wenn wir die Übersichten durchmustern, die ich von dem Be-stände des Handwerks am Ende der frühkapitalistischen Epochegegeben habe (siehe das 22.-24., das 37. und das 43. Kapitel deszweiten Bandes dieses Werkes) und sie mit den letzten Gewerbe-zählungen vergleichen, so finden wir doch sehr erhebliche Lücken in denListen, in denen die heutigen Handwerke verzeichnet sind. Zwar kaumim Handelsgewerbe, in dem die handwerksmäßigen Betriebe nurimwesentlich eingeschränkt sind. Aber schon im Transportgewerbestoßen wir auf solche Lücken. Hier sind die alten Überlandfuhrleutegrößtenteils verschwunden, aus Gründen, die wir nicht weit zu suchenhaben: der übermächtige Großbetrieb mancher Transportinstitute wieder Eisenbahnen hat den Handwerksbetrieb in seiner alten Formkonkurrenzunfähig gemacht. Freilich nicht, ohne ihn vielfach an