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Schluß: Die Gesamtwirtschaft
andern Stellen wieder aufleben zu lassen: der großstädtische Droschken-betrieb ist bis heute größtenteils handwerksmäßig organisiert.
Nicht ganz so offen liegen die Zusammenhänge auf demjenigenWirtschaftsgebiete, auf dem wir den Handwerker vornehmlich suchen:im Bereiche der gewerblichen Produktion, der Stoffverarbeitung.Die „Verdrängung“ des Handwerks ist hier ein sehr verwickelter Vor-gang, dem wir in seinen einzelnen Teilen an verschiedenen Stellen unsereAufmerksamkeit schon zugewendet haben, den wir uns aber in seinerGänze noch einmal ins Gedächtnis zurückrufen müssen, um ein ab-schließendes Urteil zu gewinnen.
Eine laienhafte Auffassung nimmt ar, daß das Handwerk (worunterich im Folgenden, wenn nichts besonderes bemerkt ist, immer dasgewerbliche Handwerk verstehen will), das gute, solide, schöne, aberteure Güter herstellte, durch die „Fabrik“ aus dem Felde geschlagensei, die schlechte, unsolide, häßliche, aber billige (Massen-)Warenauf den Markt werfe. Das ist nun der Sachverhalt ganz und gar nicht.Die Stellung des Handwerks ist auf ganz andere Weise erschüttertworden. Die Umstände, die für das Handwerk verhängnisvoll gewordensind, sind vielmehr folgende:
(1.) die Bedarfsverschiebung, durch die wichtige Handwerkserzeug-nisse außer Gebrauch gekommen sind: Spinnrocken! PökelfässertWassertonnen und -Eimer!
(2.) die Surrogierung, wodurch fabrikmäßig leicht herstellbare Gegen-stände die Handwerkserzeugnisse verdrängen: Kautschukkamm anStelle des Hornkamms! Blechgefäße an Stelle von Kupferkesseln! Draht-stift an Stelle des Eisennagels!
Für beide Vorgänge siehe im übrigen den 1. Unterabschnitt des3. Abschnitts des 3. Hauptabschnittes in diesem Bande.
Dann erst folgt als handwerksverdrängende Macht:
(3.) die Konkurrenz um den Absatz desselben Gegenstandes, dendas Handwerk unter ungünstigeren Bedingungen herstellt als diekapitalistische Unternehmung. Aber auch hier ist es gar nicht in ersterLinie der billigere Preis, der dem Handwerk gefährlich wird, als viel-mehr:
a) die Qualität der Darbietung: modernes Schuh- oder Schneider-geschäft !
b) die Qualität des Dargebotenen: alle Gegenstände des Kunst-gewerbes und alle diejenigen, die ein besonderes Maß von Genauigkeitin der Ausführung erheischen!