Sechsundfünfzigstes Kapitel: Die vorkapitalistischen Wirtschaftssysteme <)(jl
Fälschlicherweise nimmt man an, das Handwerk halte sich dort,wo künstlerische Leistungen zu vollbringen sind. Ich habe die Irrtüm-lichkeit dieser Ansicht schon früher bekämpft. In der Tat ist das ge-samte Kunstgewerbe heute, bis auf geringe Ausnahmen, dem Hand-werk genommen. Unter denjenigen Gewerben, in denen mehr als dieHälfte aller Personen in Kleinbetrieben beschäftigt ist, findet sich,soviel ich sehe, nur ein einziges, das man als Kunstgewerbe ansprechenkönnte: der Geigenbau, in dem 98,3% aller Betriebe Kleinbetriebesind und von 1000 Personen 85,3% in Kleinbetrieben beschäftigtwerden.
Nein: es sind ganz andere Tätigkeitsgebiete, auf denen das Hand-werk siegreich der Konkurrenz des Kapitalismus widerstanden hat.Unter ihnen kommt dreien eine besondere Bedeutung zu; das sind:
(1.) das Gebiet der individualisierten Arbeit, bei der also dieAnpassung an den einzelnen Fall erwünscht ist. Zu ihm gehören diesogenannten persönlichen Dienste;
(2.) das Gebiet der lokalisierten Arbeit, das heißt jener, die aneinem bestimmten Orte ausgeführt werden muß, und bei der also einAbsatzgebiet von beschränkter Größe wie ein natürlicher Schutz fürden Handwerker wirkt;
(3.) das Gebiet der Reparaturarbeit, die dem Kapitalismus keinerechte Freude bereitet.
DieZiffern der Statistik bestätigen die Richtigkeit dieser Bestimmung,wie die folgende Übersicht erweist.
Gewerbe, in denen mehr als 50 vom Hundert aller be-schäftigten Personen in Kleinbetrieben tätig waren(nach der Zusammenstellung in Band220/21 der Stat. d. D.R. Seite 72 ff.).(Die Einordnung in die drei oben genannten Gruppen stammt von mir.)-Ich setze die Vom-Tausend-Ziffer ein und berücksichtige nur die größerenGewerbe.
1. Individualisierte Arbeit: