Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
970
Einzelbild herunterladen
 

970

Schluß: Die Gesamtwirtschaft

tums, wie es etwa in Dänemark, in den Vereinigten Staaten , inAustralien zu Hause ist, tritt uns ein Wirtschaftssubjekt entgegen,das wesentliche Züge des kapitalistischen Geistes in sich aufgenommenhat. Nur soll man in diesen Fällen gleichwohl nicht vonkapitalistischenUnternehmern sprechen. Dazu fehlt ihnen immer noch das Beste:die kapitalistische Unternehmung.

Verschiedenheiten ergeben sich ferner aus der unterschiedlichen Ge-staltung der sozialen Ordnung, unter der die Bauern in den verschiedenenLändern leben. Auch hier zeigt sich uns eine ganze Stufenleiter derAbhängigkeitsverhältnisse von halber Hörigkeit zu völliger Freiheit.Zeigen sich uns große Unterschiede in den Besitz- und Eigentums-verhältnissen: vom reinen Pachtverhältnis über den Teilbau zumreinen Eigentumsverhältnis. Zeigen sich uns sehr verschiedenartigeAbsatzbedingungen usw.

Endlich ist die Technik grundverschieden in den Bauernwirtschaftender verschiedenen Länder und Landesteile: verschiedene Anbau-gewächse, verschiedener Intensitätsgrad, verschiedenartige Arbeits-mittel usw.

Diese Mannigfaltigkeit der Wirtscliaftsgestaltung bäuerlicher Wirtschäften steht in einem ebensolchen Gegensätze zu der Gleichförmig-keit in allen anderen Wirtschaftsgebieten wie die Konstanz ihres Wesenszu der Veränderlichkeit der Betriebsformen in diesem. Das gewerb-liche Handwerk muß dem kapitalistischen Großbetriebe weichen, aberbeide Wirtschaftsformen, wo sie auch auftauchen, weisen eine fastvöllige Gleichheit der Gestalt auf. In der Landwirtschaft ist es, wiegesagt, umgekehrt.

Fragen wir aber nach den Gründen der Mannigfaltigkeit des land-wirtschaftlichen Betriebes, so werden wir sie am ehesten gewahr werden,we nn wir uns dessen erinnern, was ich über die Ursachen der Gleich-förmigkeit in der modernen Wirtschaft bemerkt habe: siehe das 36. Ka-pitel. Wir finden nämlich hier in derBauernwirtschaft weder die psycho-logische noch die sachliche Notwendigkeit, die die Gleichförmigkeitbewirkt, da die Motive mannigfaltige bleiben und die Mittel zur Herbei-führung eines Erfolges in der Landwirtschaft keineswegs so eindeutigbestimmt sind wie auf andern Gebieten des Wirtschaftslebens. Wirfinden aber, und das ist wohl die Hauptsache, keine in den Bedingungender Wirtschaft begründete Zwangsläufigkeit der Gestaltung, weil derlandwirtschaftliche Betrieb und insbesondere die bäuerliche Wirtschaftin viel weiterem Umfange als irgendeine andere Wirtschaft sich der