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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Siebenundfünfzigstes Kapitel: Die Bauernwirtschaft

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Hörigkeit des Marktes entziehen kann aus Gründen, die wir ebenfallsschon kennen. Es fällt also die auf Einheitlichkeit hindrängende Ur-sache fort, oder sie ist in ihrer Wirkung abgeschwächt. Deshalbaber können alle anderen Bestandteile des wirtschaftlichen Ursachen-komplexes ihre Wirksamkeit entfalten: Volkstum, Boden und Klima,Geschichte. Sie, die immer wirken wollen, aber die auf den übrigenGebieten des Wirtschaftslebens durch die mächtige Konstante: Markt-hörigkeit überwältigt werden.

3. Die gleiche, ökonomische Lage der Bauern

Darunter wollen wir verstehen: das Maß ihrer Wohlhabenheit, dieGütermenge, über die die einzelne Bauernwirtschaft als ihren Ertragverfügt, die Höhe also ihres Einkommens.

Da ist nun die gewiß von vielen nicht erwartete Tatsache festzu-stellen, daß über den ganzen Erdkreis hin, soweit wir die Spuren desKapitalismus verfolgen können, während des verflossenen ruhmreichenJahrhunderts das Bauerntum in seiner großen Massesich in gedrückter Lage befunden hat. Nirgends ver-nehmen wir von einer wesentlichen Verbesserung seiner Daseins-bedingungen, von einemAufschwung seiner Lage, der etwa demAufstieg der Lohnarbeiterklasse oder gar dem wachsenden Reichtumder Bourgeoisie zu vergleichen wäre.

Um diese Sonderstellung des Bauerntums im Rahmen des hoch-kapitalistischen Wirtschaftslebens zu verstehen, müssen wir uns ver-gegenwärtigen, von welchen Umständen dessen ökonomische Lage be-stimmt wird. Offenbar hängt sie von der Gestaltung folgender dreiVariabein ab:

(1.) der Größe des Ertrages an Früchten in jeder einzelnen Wirt-schaft. Diese wiederum die natürlichen Gegebenheiten gleich-gesetzt ist das Ergebnis:

a) der Größe des Areals;

b) des Vollkommenheitsgrades der Wirtschaftsführung;

c) der Höhe der Nebeneinnahmen.

(2.) der Höhe des Anteils, den der Bauer an diesem Ertrage hat;sein Anteil wird um so kleiner sein, je mehr von ihm beansprucht:

a) der Staat in Gestalt von Steuern;

b) der Grundeigentümer in Gestalt von Diensten oder Pacht;

c) der Geldleiher in Gestalt von Zinsen;

(3.) den Preisen, die der Bauer auf dem Markte für seine Erzeugnisseerhält.