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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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978 Schluß: Die Gesamt Wirtschaft

Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Sie betrug: 1860 4,8, 1880 3,5, 1900 2,6 Deßj.Wenn man annimmt, daß eine Bauernfamilie im großen Durchschnittdes Reiches 12,25 Deßj. braucht, um ordentlich leben zu können, hatten75% der Bauern zu wenig Land. Vgl. meinenProletarischen Sozialis-mus 2, 507.

b) Die Bewirtschaftung war denkbar unvollkommen: siehe das 17.Kapitel unter III.

c) Die Nebenbeschäftigungen sind im wesentlichen weggefallen:siehe das 23. Kapitel unter I.

Die periodisch wiederkehrenden Mißernten sind aber als die un-vermeidlichen Folgen dieser Produktionsbedingungen erkannt worden.Sie ergaben sich (1.) als Reaktion des ununterbrochen mit Getreidebestellten Bodens; (2.) weil der erschöpfte Boden immer weniger wider-standsfähig gegenüber den Unbilden der Witterung wurde; (3.) weilinfolge der schlechten Wirtschaft die Anbaukultur zurückging: dasGetreide ausartete, das Unkraut überwucherte usw. Die Mißernteführte außerdem zu einer Verringerung des Viehstandes, namentlichder Pferde, wodurch abermals die Bestellung verschlechtert wurde.Die Mißernten traten also als das unvermeidliche Ergebnis des Boden-ausraubens auf. Man hat sie mit Recht als eine aufgezwungene Brachebezeichnet. Deshalb sind sie so allgemein und beschränken sich nichtauf ein Jahr; denn damit im Boden sich wieder ausreichende Nähr-kräfte ansammeln, bedarf es mehrerer Jahre: man rechnete (um dieWende des 19. Jahrhunderts), daß 4 Mißernten nötig seien, um 1 bis2 gute Ernten zu erzeugen.

(2.) An diesem an sich schon geringen Ertrage der Bauernwirtschaftnahmen nun die drei obvermeldeten Instanzen einen ungewöhnlichhohen Anteil:

a) der Gutsherr forderte von dem Lande, das der Bauer gezwungenwar, hinzuzupachten, eine hohe Pacht, die oft in Gestalt von Fron-diensten auf dem Gutshof abgearbeitet werden mußte;

b) der Geldleiher nahm hohe Zinsen;

c) der Staat legte hohe Steuern auf.

Auf 100 kg Roggen bezahlte Ende der 1890er Jahre der rassischeBauer 37 Pf., der bayrische Bauer nur 22 Pf. trotz höherer Preise in Bayern. Nach amtlichen Zusammenstellungen Lehmann-Parvus, a. a. O.Seite 447. Die Steuererhebung war vexativ, ungleichmäßig, der Steuer-betrag vielfach vernichtend hoch für die Bauernwirtschaft. Der Vize-direktor des Steuerdepartements Brschesky äußerte sich dahin:Zweifel-los sind die Erfolge der Steuererhebung, wenn nicht ausschließlich, sodoch in einem bedeutenden Grade nicht mehr auf Kosten des Einkommens