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Schluß: Die Gesamtwirtschaft
Existenz wird .. . dauernd herabgedrückt, und man kann ohne Über-treibung sagen, daß eine große Zahl indischer Bauern ständig darbe.“(H u 8 a i n , a. a. 0. Seite 53. Ich folge im wesentlichen dieser gründ-lichen Arbeit.)
Der Ertrag, den der indische Bauer erarbeitet, ist gering: wegen derschlechten Wirtschaft, von der wir schon Kenntnis genommen haben;wegen des Wegfalls der gewerblichen Nebenbeschäftigung, die vielfach,wie wir ebenfalls schon wissen, von den Engländern systematisch zerstörtist; wegen der Kleinheit der Bauernstellen: das Areal des Ackerlandesbetrug auf den Kopf der Bevölkerung, die sich davon nährte:
1901/02 . . . 1,28 acres1911/12 . . . 1,24 „
1917/18 ... 0,9
Die Abgaben in Geld, die der indische Bauer zu leisten hat, sindaber besonders hohe:
(1.) wegen der gewaltigen Summen, die England an Steuern aus demLande zieht;
(2.) wegen der unerschwinglichen Pachten, die der Grundherr fordert.Steuern und Pachten aber bringen den Bauern — wenn die Ernteschlecht ausfällt, und sie fällt häufig schlecht aus wegen derselbenungünstigen Produktionsbedingungen, die wir bei Rußland feststellenkonnten — unvermeidlich in Schulden: 1896 wurden im Punjab 12%,1920 12,5% der Einnahmen zur Bezahlung der Schulden aufgenommen;daraus ergeben sich
(3.) hohe Schuldzinsen. „Der Bauer ist im Grunde nur Tagelöhnerauf Rechnung seines Grundherrn oder Geldleihers.“
Also — auch der indische Bauer verkauft, was er brauchte, um aus-kömmlich leben zu können; muß verkaufen wegen der wachsendenGeldverpflichtungen. Zunahme der Bevölkerung und Eindringen desKapitalismus sind auch hier die letzten Gründe, auf die sich die Lagezurückführen läßt.
Von dem holländisch-indischen Kolonialbesitz ist vor allem Javaein echtes Bauernland. Auch hier hat die chronische Hungersnot Einzuggehalten. Der Nahrungsspielraum der Bevölkerung ist immer mehreingeengt worden. Im Jahre 1860 kam auf eine Javanerfamilie 12,4Pikol Reis, im Jahre 1883 noch 11,3 Pikol, im Jahre 1900 nur noch9 Pikol. (Die Ziffern nach W. H. V 1 i e g e n , Der Zusammenbruch desholländischen Kolonialsystems in der „Neuen Zeit“ XXII. 1, 425.)