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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Siebenundfünfzigstes Kapitel: Die Bauernwirtschaft 981

Zur Erklärung der zunehmenden Not genügt es hier, die Ziffern der Be-völkerungsstatistik zu beachten: die Bevölkerung Javas betrug

1880 . . . 19 794 559

1890 . . . 23 914 564

1900 . . . 28 745 698

Ein Wunder, daß nicht viel mehr als eine Million Menschen, wie deramtliche Bericht aussagt, hungern.

c) Der koloniale Westen

Ein Gebiet, in dem die Ackerbau treibende Bevölkerung dauerndim Notstände gelebt hat, ist der Baumwollbezirk der Vereinigten Staaten von Amerika . Wir können also feststellen, daß auch die Hemden, mitdenen wir uns während des 19. Jahrhunderts gekleidet haben, mit demElend derjenigen bezahlt worden sind, die den Bohstoff dafür erzeugthaben.

Levy von Halle faßt die Darstellung, die er in seinem schongenannten Buche von derBaumwollproduktion und Pflanzungswirt-schaft in den nordamerikanischen Südstaaten gegeben hat, in dieWorte zusammen (Seite 669):Der Schwarze schindet das Land unddas Maultier, der Weiße schindet den Schwarzen, der Kaufmann aberan Ort und Stelle und draußen den Weißen und den Schwarzen.

Das Bild, das wir aus den Berichten auf dem 5. InternationalenBaumwollkongreß (1907) von der Lage der Baumwollproduzenten er-halten, ist etwa folgendes: Nach Aufhebung der Sklaverei wurde dasLand in kleine Farmen von etwa 20 acres aufgeteilt und in Teilbau andie Neger vergeben. Der Farmbesitzer selbst führt die Bücher und liefertGrund und Boden, Hütte, Maultier, Geräte und die halbe Saat gegendie Hälfte der Ernte. Für die andere Hälfte eröffnet er dem Teilbauereinen Kredit in seinem Laden, in welchem dieser seine Kleidung undseinen Lebensunterhalt zu hohen Preisen kaufen muß. Das System gehtdarauf aus, den Neger in dauernder Schuldenlast zu erhalten, um ihnden Forderungen des Farmers fügsam zu erhalten. (Vgl. A. A p e 11in den Schriften der VfSP. 142. III, 22.)

Aber auch der Farmer hat sich bis ins 20. Jahrhundert hinein indrückenden Verhältnissen befunden. Von 18901900 z. B. soll es keinJahr gegeben haben, in welchem der Farmer irgendwelchen Verdiensterzielte. (Vgl. E. Ilgen a. a. O. Seite 75.) Der Grund seiner Notlage warder, daß er sich in völliger Abhängigkeit von dem Händler befand, diesemdie Baumwolle zu jedem Preise verkaufen mußte, und daß der Baum-wollpreis durch die internationale Konkurrenz niedrig gehalten wurde.

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