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Schluß: Die Gesamtwirtschaft
nicht zu, weil sie auch „Bankkredit“ in Anspruch nehmen, bei anderennicht, weil sie Unterstützungen vom Staate erhalten, wie z. B. die derpreußischen Zentralgenossenschaftskasse angegliederten Verbände.Aber wenn hier auch keine Kreditgenossenschaften im eigentlichenSinne vorliegen, so hört darum der von ihnen gewährte Kredit nochnicht auf, auf genossenschaftlicher Grundlage zu ruhen. Wir werdenfüglich Kreditgenossenschaften und Genossenschaftskredit unterscheiden;
2. dieProduktions- (u nd Absatz-) Genossenschaf-te n. Sie sollen dazu dienen, kleinen Produzenten (und Händlern)durch Zusammenschluß die Vorteile des Großbetriebes zu verschaffen.Da diese sich beim Einkauf, bei der Produktion und beim Verkaufbemerkbar machen, so ergeben sich als besondere Arten der Produk-tionsgenossenschaften :
a) die Rohstoffgenossenschaften, Wareneinkaufsvereine, Genossen-schaften zur Beschaffung von Maschinen;
b) die Werkgenossenschaften, Ziichtungs- und Weidegenossen-schaften, die Produktionsgenossenschaften i. e. S.;
c) die Verwertungsgenossenschaften, Magazingenossenschaften,Rabattvereine (der Krämer).
Die meisten dieser Arten dienen sowohl landwirtschaftlichen alsgewerblichen Produzenten;
3. Die Konsumtionsgenossenschaften. Ihr Zweckbesteht darin, bedürftigen Konsumtionswirtschaften ihre Wirtschafts-führung zu erleichtern. Sie erfüllen ihren Zweck:
a) durch Ausschaltung des Detailhandels: Konsumvereine;
b) durch Ausschaltung des Engroshandels: Großeinkaufsvereine;
c) durch Selbsterzeugnug der Güter für die geeinten Genossen.
II. Die Verbreitung der Genossenschafts-wirtschaft
1. Die Kreditgenossenschaften
Kreditgenossenschaften gibt es in allen Ländern, in denen die Kredit-wirtschaft ihren Eingang gefunden hat. Die intensiv wie extensiv be-deutsamste Entwicklung haben sie jedoch in Deutschland erlebt.Hier sind auch die beiden Systeme ausgebildet worden, nach denensich die Kreditgenossenschaften in fast allen Ländern gestalten: dasSchulze-Delitzschsche und das Raiffeisensche, die ungefähr um dieselbeZeit (Mitte des 19. Jahrhunderts) ins Leben gerufen wurden: jenesmehr sachlich-geistig, bankmäßig, städtisch, „gesellschaftlich“, dieses