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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Sechzigstes Kapitel: Das Wirtschaftsleben der Zukunft

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seine rein naturalistische Daseinsweise wird sich, wie ich es n ann te,immer mehr mit normativen Ideen durchsetzen;

(3.) der Kapitalismus wird sich innerlich weiter umbilden in derRichtung, in der wir schon im Zeitalter des Hochkapitalismus eineUmbildung wahrnehmen konnten. Das heißt: er wird ruhiger, ge-setzter, vernünftiger werden, wie es seinem zunehmenden Alter ent-spricht. Die Hauptgründe dieser Wandlung liegen in folgendem:

a) die Triebkräfte werden an Spannung verlieren; die Wirtschafts-subjekte werdenverfetten; derfaustische Drang wird verschwinden:

. .. einst groß und mächtig,

Nun aber geht es weise, geht bedächtig.

Diese Annahme gründet allerdings nur auf einem Induktionsbeweis iwir beobachten, wie ich in meinemBourgeois gezeigt habe, daß bis-her alle Nationen Europas , die einmal die Führung im Wirtschafts-leben gehabt haben, denselben Weg der Verfettung, sei es in der Formder Feudalisierung, sei es in der Form der Verrentung, gegangen sind:die Italiener, die Spanier, die Holländer, zuletzt die Engländer. Wervermöchte in dem heutigen Engländer noch die Züge zu erkennen, dieBagehotim Anfang der 1870er Jahre in der Einleitung zurLom-bard Street an ihnen pries: Nur der Engländer, meint er, habethepropensity to Variation.All sudden trades come to England. DieEngländer seienspecially quick in comparison with their neigh-bours on the continent at seizing on novel mercantile opportunities (!)_England has a special machinery for getting into trade new mei,.who will be content with low prices and this machinery will probablesecure her success, for no other country is soon likely to rival it effec-tually.

Das sind dieselben Eigenschaften, die man schon ein Menschenalterspäter gerade den Deutschen im Gegensatz zu denEngländern zuschrieb. Sollten der Deutsche und der Amerikaneroder vielleicht der Jude eine Ausnahme bilden und ihrenfaustischenDrang bis ans Ende der Tage bewahren? Es ist nicht sehr wahr-scheinlich.

Es kommt dazu, daß

b) die Entwicklung des Wirtschaftslebens zu immer größererStabilität, der Unternehmungen zu immer schwerfälligeren Maschinerien,der Marktbeziehungen zu immer größerer Gebundenhfeit den Raumfür die Betätigung eines draufgängerischen Unternehmertums i mm ermehr einengt und daß

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