Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
1015
Einzelbild herunterladen
 

Sechzigstes Kapitel: Das Wirtschaftsleben der Zukunft, 1015

denen das Bedarfsdeckungsprinzip gegenüber dem Erwerbsprinzipwieder zur Geltung kommt. Ihr Geist wird dadurch gekennzeichnetsein, daß der Rationalismus immer stärker ausgebildet wird, das Ge-winnstreben aber und der Individualismus, die mit jenem zusammenden kapitalistischen Geist gebildet hatten, wegfallen. Die Technik,auf der sie ruhen, wird die Errungenschaften der modernen Technikenübernehmen, muß aber deren revolutionären Charakter aus Gründen,die ich sogleich darlegen werde, abstreifen. Die Form dieser neuenWirtschaftssysteme wird eine Reihe von Zügen des Kapitalismus bei-behalten, vor allem ihren großbetrieblichen Charakter und den Zugder Vergeistung, der die Wesenheit des modernen Betriebes ausmacht.Darin wird alle Planwirtschaft sich gleichen, während im übrigen ver-schiedene Wirtschaftsformen nebeneinander sich ausbilden werden. Alledie Gebilde, die wir schon im Zeitalter des Hochkapitalismus nebendiesem sich entfalten sahen, werden auch in der zukünftigen Wirtschaftweiterbestehen und an Bedeutung zunehmen: Genossenschaftswirt-schaft, Wirtschaft der öffentlichen Körper, gemischt-öffentliche Betriebe.

Daß diese Planwirtschaft da sein wird: dafür wird der Wille zahl-reicher an ihr interessierter Schichten Sorge tragen, der Arbeiter wiealler ärmeren Konsumenten, die sich von den Fesseln des Kapitalismusbefreien wollen. Ob zu ihrem Nutzen oder ihrem Schaden, verschlägtnichts. Ihr Wille ist vorhanden, und der wird eine hinreichend starkeTriebkraft im Wirtschaftsleben der Zukunft bilden. Dafür werden ihreOrganisation und ihr wachsender Einfluß auf die Staats- und Ge-meindeverwaltung Sorge tragen.

Aber was wichtiger ist als dieser Wille, ist dieses: daß auch dieMöglichkeit, das Wirtschaftsleben genossenschafts- oder gemeinwirt-schaftlich zu gestalten, in der Zukunft zweifellos immer größer werdenwird. Es ist einer der wenigen gut begründeten und in ihrer Richtigkeitexperimentell bestätigten Erkenntnisse der ökonomischen Wissenschaft,daß eine Planwirtschaft, das heißt also eine Großwirtschaft ohnekapitalistische Spitze, nur dort, aber dort zuverlässig, möglich ist,wo der Bedarf stabilisiert und die Herstellungstechnik aus ihremrevolutionären Anfangsstadium herausgekommen ist, wo Absatz undProduktion sich in gewohnten Bahnen bewegen, es also keiner be-sonderen ,,Untemebmertätigkeit mehr bedarf. Was Adam Smith einst als das Tätigkeitsgebiet der Aktiengesellschaft abgrenzte: dieGewerbe,of which all the operations are capable of being reducedto what is called routine or to such a uniformity of method as admits