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Schluß: Die Gesamtwirtschaft
of little or no Variation“, das sind diejenigen Bereiche des Wirtschafts-lebens, die uns heute reif zur Verstaatlichung, Verstadtlichung oderGenossenschaftsbildung erscheinen. Um es in einem Bilde au3zudrücken:die Wirtschaft „planmäßig“ gestalten, heißt sie auf Flaschen ziehen.Dazu ist es aber erforderlich, daß sie zuvor sich ausgegoren habe.Es unterliegt aber nun wohl keinem Zweifel, daß sich die Entwicklungeines wachsenden Teiles des Wirtschaftslebens in der Richtung diesesausgegorenen Zustandes bewegt, und daß somit das Betätigungsfeldder planmäßigen Großwirtschaft sich immer mehr ausweiten wird.
„Zum Teufel ist der Spiritus,
Das Phlegma ist geblieben“,chemisierten auf ihre Weise unsere Xenien-Dichter.
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Wir werden uns nun aber allmählich an den Gedanken gewöhnenmüssen, daß der Unterschied zwischen einem stabilisierten und regle-mentierten Kapitalismus und einem technifizierten und rationalisiertenSozialismus kein sehr großer ist, und daß es somit für das Schicksal derMenschen und ihrer Kultur ziemlich gleichgültig ist, o b dieWirtschaft sich kapitalistisch oder sozialistisch ge-stalten wird. Worauf es ankommt: die Arbeitsweise ist in beiden Fällendieselbe; in beiden Fällen ruht die gesamte Wirtschaft auf dem Bodender Vergeistung. Man frage sich doch, wodurch sich ein großes Ge-nossenschafts- und ein kapitalistisches Warenhaus, ein kommunisti--sches und ein kapitalistisches Hochofenwerk, eine städtische und einekapitalistische Straßenbahn voneinander unterscheiden. Und manwird nichts Wesentliches finden. Vielleicht, daß das „Bewußtsein“ desArbeiters hier und dort verschieden ist. Aber die Gestaltung allerArbeitsbedingungen ist hier und dort dieselbe. Die Arbeitszeit hängtnicht vom guten Willen, sondern von der volkswirtschaftlichen Not-durft ab. Die Höhe der Entlohnung ist ebenfalls so gut wie unabhängigvon der Wirtschaftsverfassung. Denn daß der Kapitalprofit, unter dieArbeiter aufgeteilt, keine wesentliche Steigerung der Löhne bringt,weiß man jetzt auch. Und alles das sind überdies nebensächliche Dingeverglichen mit der durch die Gestaltung der Betriebe und den Standder Technik aufgezwungenen Arbeitsweise. Von Wichtigkeit ist dochschließlich nur dieses: ob der Mensch sein Dasein hinter dem Pflugeoder vor der Bessemerbirne, im kleinen Laden oder im großen Waren-hause, im Segelboot oder im Kesselraum eines Riesendampfers verbringt.