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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Sechzigstes Kapitel: Das Wirtschaftsleben der Zukunft

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Und deshalb interessiert uns an der Gestaltung des Wirtschafts-lebens der Zukunft gar nicht so sehr, ob sie kapitalistisch oder sozia-listisch sein wird, ob dieMenschen gebraten odergesotten werden, sondern um im Bilde zu bleiben ob es in der Zukunft noch Möglichkeitengeben wird, ungebraten und ungesotten davonzukommen. Das heißtalso: ob sich in der Wirtschaft der Zukunft noch Platz für die wederkapitalistischen noch sozialistischen Wirtschaftssysteme, will sagen:für die Eigenwirtschaft, das Handwerk, die Bauernwirtschaft findet.Hier sind die beiden entgegengesetzten Welten: Seele und Geist. Hierwird sich das Schicksal der Menschheit entscheiden: ob der wichtigsteBestandteil des menschlichen Tuns, die wirtschaftliche Tätigkeit, demBereiche der Seele oder dem Bereiche des Geistes zugehören soll.

Ich versuche im folgenden zusammenzustellen, was sich an leidlichsicheren Voraussagen über die Zukunft der drei seelsamen Wirtschafts-systeme machen läßt.

VI

Das Schicksal der Eigenwirtschaft hängt im wesentlichenab von dem Schicksal der Bauernwirtschaft, von der ich weiter unten(unter VIII) sprechen werde.

Außerhalb der Bauernwirtschaft spielt die Eigenwirtschaft heutenur noch in den einzelnen Privathaushalten eine Bolle. Solange dieseerhalten bleiben, bleiben auch immer Beste der Eigenwirtschaft be-stehen. Über die Zukunft des privaten Haushalts wage ich kein Urteilzu fällen. Was bisher die Einküchen-Iiaus-Bewegung in den europäischenLändern an Erfolgen aufzuweisen hat, läßt nicht darauf schließen, daßdie große Mehrzahl der Menschen in Bälde auf ihre private Konsum-tionswirtschaft zu verzichten geneigt ist. Viel wird hier auf die Gestal-tung des Wohnungswesens ankommen. Geht der Zug nach kleinenHäusern, so wird auch die Hauswirtschaft weiter an Baum gewinnenund mit ihr die Eigenproduktion. Die Laubenkolonien in den Groß-städten sind ein Beweis dafür, daß in manchen keineswegs allenVölkern eine starke Sehnsucht nach Ausgestaltung der eigenen Häus-lichkeit besteht. Dazu gehören immer nun ein Garten und ein Stall undeine Vorratskammer. Und wem diese drei Zubehöre gegeben sind, dannist auch wieder Baum für eine vergrößerte Eigenproduktion gewonnen.

Ein Teil der Eigenwirtschaft wird sich wohl auch in der Zukunftin karitativem Bahmen abspielen.