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Schluß: Die Gesamtwirtschaft
YII
Man hat zu wiederholten Malen den Versuch gemacht, Gebiete desWirtschaftslebens abzugrenzen, auf denen das (gewerbliche) Hand-werk in aller Zukunft einen gesicherten Bestand haben sollte. Alssolche Gebiete hat man bezeichnet (Schönberg): (1.) das Kunst-gewerbe, (2.) die persönlichen Dienste, (3.) die lokalisierten Gewerbe,(4.) die Reparaturarbeit. Meine Darstellung hat bereits erwiesen, daßdiese dem Handwerk auf den genannten Gebieten zugesprocheneMonopolstellung schon im Zeitalter des Hochkapitalismus nicht be-standen hat. Man ist auch zu jener Annahme grundsätzlich demHandwerker gesicherter Tätigkeiten nur gekommen infolge einer Ver-wechslung von Handarbeit und Handwerk. Bei den beiden ersten Ge-bieten ist das offensichtlich: weil die künstlerische Arbeit und der per-sönliche Dienst der maschinellen Behandlung nicht zugänglichsind, hat man den voreiligen Schluß gezogen, daß — also — für sienur das Handwerk in Betracht komme. Ohne zu bedenken, daß einegroßbetriebliche Gestaltung in den verschiedensten Wirtschaftsformen:kapitalistischer, genossenschaftlicher, gemeinwirtschaftlicher, möglichist auch ohne Verwendung von Maschinen. Ich habe bereits darauf hin-gewiesen, daß gerade das Kunstgewerbe schon in der Gegenwart demHandwerk so gut wie völlig entrissen ist. Und es liegt kein Hinderungs-grund vor, sich in der Zukunft die Haarpflege in großen genossen-schaftlichen oder kommunalen Betrieben ausgeführt zu denken. Aberauch die lokalisierten Gewerbe und selbst die Reparaturarbeit sindkeine Gebiete, die grundsätzlich dem Handwerk gesichertbleiben müßten.
Dagegen ist zuzugeben, daß auf gewissen Tätigkeitsgebieten, wienamentlich den beiden zuletzt genannten, dem Handwerk der Kon-kurrenzkampf erheblich erleichtert wird, weshalb sich denn wie wir ge-sehen haben, auf ihnen das Handwerk in größerem Umfange erhaltenhat. Es ist aber kein Grund abzusehen, warum sich das in der Zukunftändern soll. Es müßte denn eine doktrinäre Regierung die privatenBetriebe, einschließlich die Handwerksbetriebe, überhaupt verbieten.Das ist aber bei dem starken Interesse breiter Volkskreise, die hinterdem Handwerk stehen, nicht wahrscheinlich. Selbst das strenge Re-giment der Sowjets hat das Handwerk wieder zulassen müssen. So istdenn damit zu rechnen, daß in absehbarer Zukunft das gewerblicheHandwerk in seinem heutigen Bestände, der, wie wir gesehen haben,noch recht beträchtlich ist, erhalten bleibt.