Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
1020
Einzelbild herunterladen
 

1020

Schluß: Die Gesamtwirtschaft

die anderen sagen) dahin. Gleichwohl aber wird das Bauerntum immereinen Bereich des Wirtschaftslebens bilden, in dem Seele sich ent-falten kann, weil es weder vom Kapitalismus noch vom Sozialismus jewird völlig erobert werden können. Seine innere Wesenheit schützt esdagegen.

Niemals wird der Geist, der das Bauerntum beherrscht, ein reinkapitalistischer sein können, weil die Alleinherrschaft des Gewinn-strebens ausgeschlossen ist. Deshalb ausgeschlossen, weil die Bewertungdes landwirtschaftlichen Betriebes niemals nur unter dem Gesichts-punkt der Reatabilität erfolgt: Liebe zum landwirtschaftlichen Beruf,Anhänglichkeit an die Scholle, Streben nach Unabhängigkeit undSelbständigkeit, Landhunger, Familientradition und andere ganz undgar irrationale Beweggründe sind neben den rein ökonomischen be-stimmend. Wo diese aber vorherrschen, ist es viel eher das Bedarfs-deckungsprinzip, das sie leitet, als das reine Erwerbsprinzip. WasTschajanoff in seinem BucheDie Lehre von der bäuerlichenWirtschaft (1923) darüber bemerkt hat, ist sehr der Beachtung wert.

Wir müssen auch immer eingedenk bleiben, daß der landwirtschaft-liche Betrieb der einzige ist, der um seiner selbst willen betrieben werdenkann, der also nicht notwendig Mittel zum Zweck zu sein braucht. Dasgilt für den bäuerlichen Betrieb, in gesteigertem Maße aber für den.Gutsbetrieb, der ebenfalls nie vom kapitalistischen Geiste ganz er-füllt sein kann. Man kann Landwirtschaft um der Landwirtschaftwillen betreiben, kann einen Grundbesitz um der Freude am Besitzwillen erwerben. Was offenbar für einen Handelsbetrieb, ein Hochofen-werk oder eine Schwefelsäurefabrik nicht zutrifft.

Aber auch wenn der einzelne Bauer (und Landwirt im allgemeinen)sich aus persönlicher Liebhaberei ganz und gar dem kapitalistischen Geiste verschreiben wollte: es würde ihm niemals gelingen, aus seinemBetriebe eine kapitalistische Unternehmung in voller Reinheit zumachen, weil die volle Vergeistung des Betriebes in der Landwirtschaftnicht möglich ist. Dafür habe ich schon einige Belege beigebracht (siehedas 53. Kapitel unter I). Ich trage noch einiges nach:

(1.) Gegen das Verwaltungssystem lehnt sich der landwirtschaftlicheBetrieb auf, weil sich weder die einzelne Arbeit noch die Betriebs-anordnung völlig normalisieren läßt.

So ist die Akkordarbeit in der Landwirtschaft in viel geringeremUmfange anwendbar als anderswo, vor allem, weil die einzelne Arbeitin ihrer Güte nicht kontrollierbar ist. Selbst bei der Erntearbeit nicht,