Sechzigstes Kapitel: Das Wirtschaftsleben der Zukunft 1021
geschweige denn bei der Bestellarbeit, deren Wirkung erst viel späterin die Erscheinung tritt, ohne daß man weiß, ob ein schlechtes Ergebnisder Arbeit oder der Witterung zu danken ist. Alle landwirtschaftlichenArbeiten aber sind nur in geringem Umfange schablonenhaft und einerNormalisierung fähig. Sie müssen daher individualisiert werden. Manhat mit Recht gesagt: je weniger eine landwirtschaftliche Arbeit nachder von vornherein aufgestellten Regel ausgeführt wird, desto größerist der Erfolg.
Bei der Betriebsanordnung hat aber der Betriebsleiter stets ausunzähligen von Fall zu Fall des Betriebes verschiedenen Möglichkeitendie richtige auszuwählen. „Die landwirtschaftliche Betriebslehre ver-mag nur gewisse allgemeine Gesichtspunkte und Richtlinien aufzustellen;deren Anwendung auf den konkreten Betrieb bleibt dem Ermessen,ja dem Gefühl des einzelnen Landwirts überlassen“ (Schiff). Daskommt vor allem daher, daß die äußeren Naturvorgänge, wie sie dasWachstum der Pflanzen und Tiere darstellen, nie genau vorhergesehenwerden können. Deshalb müssen in jedem Augenblick Entschlüsse ge-faßt und ausgeführt, Dispositionen getroffen und umgeändert werden.Man denke an das Einfahren der Ernte!
(2.) Der landwirtschaftliche Betrieb gestattet kein völlig durch-geführtes Rechnungssystem, weil eine restlose Aufrechnung in Geld-größen nicht möglich ist: wegen der weitverbreiteten Naturalwirt-schaft, wegen der Verflechtung des Geschäftsbetriebes mit der Haus-wirtschaft, wegen der Verschlingung der verschiedenen Betriebszweigeineinander. WaltherSchiff ist diesem Problem energisch zu Leibegegangen und hat es in wesentlichen Punkten auf gehellt. Die Rechen-haftigkeit kann nicht den ganzen landwirtschaftlichen Betrieb durch-dringen, hauptsächlich aus folgenden Gründen:
a) Der landwirtschaftliche Betrieb bildet eine Verwertungsgemein-schaft: Roh-, Hilfs-, Abfallstoffe, die in einem Zweige des Betriebeserzeugt werden, gelangen in einem anderen zu produktiver Verwertung:Stalldünger, Stroh, Futterpflanzen.
b) Der landwirtschaftliche Betrieb bildet eine Betriebsmittelgemein-schaft: die meisten Arbeitsmittel (Geräte, Maschinen, Gebäude, Ge-spanne), die Arbeitskräfte und der Grund und Boden dienen währenddes Jahres nacheinander oder gleichzeitig verschiedenen Kulturen.
c) Der landwirtschaftliche Betrieb bildet eine Bodennutzungsgemein-schaft: die Auf wände verteilen sich auf eine Reihe von Wirtschafts-perioden; der Ertrag an einer Frucht in einem Jahre wird zum Teil