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Schluß: Die Gesamtwirtschaft
durch die im Vorjahre aBgebaute Frucht bestimmt tmd wirkt andererseits auch auf den Ertrag des nächsten Jahres ein (a. a. 0. Seite 460 f.).
(3.) Der landwirtschaftliche Betrieb eignet sich nicht, um ein voll-ständiges Instrumentalsystem einzuführen, wofür ich an anderer Stellebereits hinreichende Gründe beigebracht habe: siehe das 51. Kapitelunter II. 1
Mit etwas andern Worten vertritt die hier von mir entwickelteAnsicht, daß der landwirtschaftliche Betrieb sich einer völligen Ver-geistung verschließt, unser bester Landwirtschaftler, FriedrichA e r e b o e , wenn er in seiner Allgemeinen landwirtschaftlichen Be-triebslehre (3. Aufl. Seite 219/20) als das Ergebnis seiner Untersuchungenin Sperr- und Fettschrift mitteilt: „Eine fortschreitende Industriali-sierung der ganzen Volkswirtschaft kann der Landwirtschaft wohl dieVeredlung der Bodenprodukte immer mehr nehmen, niemals aberläßt sich die Gewinnung der Bodenprodukte selbst industrialisieren.Landwirtschaft bleibt immer der Best der Volkswirtschaft, der sicheiner weitgehenden Arbeitsteilung und Arbeitszusammenballung ent-zieht, auf hoher Entwicklungsstufe aber einer Kräftevereinigungauf genossenschaftlicher Grundlage zuneigt.“
IX
So buntscheckig sehe ich das Wirtschaftsleben der Zukunft. Altesbleibt, Altes erfährt Wandlungen, Neues tritt hinzu. Und der ganzeUmbildungsprozeß vollzieht sich ganz allmählich, „organisch“ pflegenwir zu sagen, wie eine Pflanze oder ein Tier wächst. Ohne alle Kata-strophen (von empfindlichen Zerreißungen und Brüchen abgesehen, diebei dem Schrumpfungsprozeß Westeuropas eintreten werden), ohnejähe Unterbrechung (sie erfolge denn durch gewaltsame Eingriffe),ohne allen dramatischen Schwung. Kein Zweifel: das ist eine viel lang-weiligere Auffassung, als sie etwa Marx vertrat. Wie spannend liestsich das 23. Kapitel des ersten Bandes seines „Kapitals“! Man kann esvom künstlerischen Standpunkt aus bedauern, daß in der Wirklichkeitdie Entwicklung so ganz anders verläuft, als Marx in seiner Vor-stellung annahm. Aber wir müssen nun einmal, wenn wir Wissenschafttreiben, uns resignieren. Das sagte ich im Anfang schon, das wieder-hole ich hier am Schluß. Das Bichtige ist meistens langweiliger als dasFalsche. Trotzdem müssen wir es aussprechen, wenn unsere Aufgabedarin besteht:
„Vitam impendere vero.“