Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
131
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Beschluß der Lritik über die Gefangnen des Pl.iutuS. 131

zu den schimpflichsten Verrichtungen brauchen ließen, daß sie vonwunderbarer Gefräßigkeit waren, und Leute dann und wann zulacken machen konnten, die bey feinen Scherzen gcgchnt hätten.Wäre es also nicht strafbar gewesen, wenn er ihnen durch einefeine Art zu denken bey seinen Zuschauern eine Art von Hoch-achtung zuwege gebracht hatte, die sie gar nicht verdienten? AumExempel ein Maler wollte einen Affen malen, der über die Far-ben seines Herrn gerathen, und mit dem Pinsel eben das zumachen suchte, was er oft hat machen sehen. Würde der Ma-ler wohl unter der Pfote des Affen das Gesichte eines liebens-würdigen Frauenzimmers entstehen lassen? oder würde er nichtvielmehr durch das, was cr den Affen malen läßt, auszudrückensuchen, daß es in der That ein Affe gemalt habe?

Wenn man also aus den Lustspielen des Plautus die Knechteund Parasiten wegnimmt, so werden in der That wenig odergar keine schlechten Scherze übrig bleiben. Es ist nicht wabr,daß cr sie bey aller Gelegenheit anzubringen sucht, cr weis seinePersonen vortrefflich zu unterscheiden, und legt niemals einemFrcvgcbohrncn Reden in den Mund, die man nur einem Knechtezu gute halten würde. Seine lächerlichen Alten nehm ich aus,wenn ihnen eine ausschweifende Liebe das Vorrecht giebt närri-scher als andre ihres gleichen zu denken und zu handeln. Mitwas für Ernst hat cr nicht, zum Exempel, in dem LustspieleTrinummus , cincn vcrnünftigcn Vatcr in dcm Philto, cincngehorsame» Sohn in dcm Lysitclcs, cincn uneigennützigen Freundin dem Ealliclcs geschildert? Mit was für Anständigkeit sind dieMuster getreuer Weiber Pancgyris und Pinacium in dcm Sti-chus, mit was für Vorsichtigkeit dic Tochter des Parasiten inder Persianern»! gebildet? Zn diesen und dergleichen Charakte-ren, deren in seinen meisten Stücken einige vorkommen, zeigeman mir das geringste Abgeschmackte, den geringsten anstößigenScherz, und alsdann will ich es einräumen, daß Plautus nichtsals ein ungeschickter Lustigmachcr ist, der zu seinen Possen we-der Zeit noch Personen zu wählen weis. Wcnn aber scin Witznur da scichtc ist, wo cr seichte scvn mnß, wcnn cr nicht damitzu prahlcn sucht, und ihn nicht, der Natur zum Trutz, an un-würdige Gegenstände vcrschwcndct, so mnß man ihn nothwcn-

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