132 Beytrüge zur Hisicric und Aufiuihmc des Theaters.
dig, wenn man billig urtheilen will, den meisten neuern Dichternunendlich vorziehen, die in allen Kleinigkeiten so viel Geistigesanbringen, daß sie das Körperliche ihres Gedichts gar darüberaus der Acht lassen.
Wenn mein Gegner geglaubt hat, daß ich, die seichten Scherzedes Plautus zu entschuldigen, einen nach dem andern vornehmennnd etwas schönes daraus zu erzwingen suchen würde, so hater sich sehr geirrt. Ich entschuldige sie nicht an sich selber, son-dern in Betrachtung auf das Ganze, und in Ansehung der gc-rroffncn Natur. Beynahe eben so werde ich es mit den übri-gen Fehlern die cr ihm vorwirst machen, ob sie gleich etwasmehr aus sich zu haben scheinen. Die Fehler nämlich wider diemechanische Einrichtung sind es, welche die Gefangnen in seinenAugen am meisten unwürdig machen, den Namen des schönstenStückes, das jemals auf das Theater gekommen ist, zu verdie-nen. Ich will sie etwas näher betrachten.
Der erste davon ist, daß Plautus wider die Einheit derHandlung soll verstoßen haben. Ich wundrc mich, daß es meinGegner gewagt hat, diesen Vorwurf zu machen, da cr selbstmit dem Racine glaubt, daß PlautnS größtcnthcils durch deneinfachen Stoff, den cr auf eine recht wunderbare Weise in sei-nen Stücken aus einander zu setzen, und, ohne ihn zu verdop-peln, zu erweitern weis, die großen Lobeserhebungen, die ihmdie Alten ertheilet, verdienet habe. Doch dieses zeigt, daß crlieber selbst zu urtheilen, als nach andern Urtheilen sich zu rich-ten gewohnt ist. Es scheint mir aber, daß cr hier zu scharfurtheilet. Wahr ist es, die Handlung würde nicht unvollstän-dig seyn, wenn auch Tyndarns nicht ein Sohn des Hcgio wäre;allein es würde ihr eine Eigenschaft fehlen, welche dc la Mottezu einer besondern Einheit gemacht hat, ob sie gleich eigentlichmit zur Einheit der Handlung gehört. Diese ist die Einheit desAntheils, oder wie cr sie in seiner Sprache nennet I'unit»; äsIintvi6t. Ist es nicht wahr, die Zuschauer würden misvcrgnügtaus dem Schauplätze gegangen seyn, wenn ein Mensch von soedlen Gesinnungen, als Tyndarus ist, nach allen seinem Un-glücke, in das ihn nur sein großes Herz gestürzt hat, nichtsals ciu Sklave geblieben wäre? Wäre es billig gewesen, daß