Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
133
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Beschluß der Critik über die Gefangnen des Pl.,»tuS, 133

bey dcm Schlüsse des Stückes alle spielende Personen Ursache ge-habt hatten sich zn freuen, und nur die liebenswürdigste nicht 5Stalagmns hat zwar auch nicht Ursache sich zu freuen, alleinStalagmus ist ein Verbrecher und mit dcm Tyndarus in keineWcrglcichung zu stellen. Daß aber diese Episode dcm Zuschauerganz fremd seyn würde, wenn ihm der Dichter in dcm Vorred-ner nicht Nachricht davon gegeben hätte, glaube ich nicht. Ichbin vielmehr gewiß, daß jeder, der in den theatralischen Ver-wicklungen nur ein klein wenig Erfahrung hat, sich dieser Ver-änderung zum voraus versehen würde, wenn er den Prolog auchvorher nicht gclcscn hätte. Denn dadurch ist sie schon genugvorbereitet, daß der Dichter den Hcgio in dcm Stücke selbst,in dcm letzten Auftritte des dritten Auszuges, sagen läßt: EinenSohn habe ick schon verloren, den mir ein Rneckt als einRind von vier Jahren enrwenöcr hat. Ick habe weder desRncckrs, noch des Sohnes rvicdcr habhaft rvcröcn können.Der andre nun ist auch in der Gewalt der Feinde. U?asfür ein Schicksal! -Habe ick denn nur Rinder gezeugt, siezu verlieren? Hätte Hcgio dicscn entführten Sohn nicht baldwiederfinden sollen, so wäre der Dichter sehr grausam gewesen,wenn er ihn ohne Noth unglücklicher gemacht hätte. Denn einVater, der dieses Unglück nicht gehabt, hätte hier eben die Dienstegethan. Es ist aber als eine große Schönheit an dcm Plautus zu rühmen, daß er unvcrmuthctc Fälle, die er anzubringen ge-denkt, auf eine so feine Art vorbereitet, daß sie die Annehmlich-keiten der Ucbcrraschung nicht verlieren. Viele von den neuentheatralischen Dichtern machen ihre Vorbereitungen auf eineso grobe Art, daß sie auch den dümmsten Zuschauer allesvorher sehen lassen. Der Prolog mag also bey den Altenein nothwendiges Theil der Komödie seyn oder nicht; Plau-tus ist in beyden Fällen wegen Verdopplung der Handlungaußer Schuld.

Es wäre einigermaßen gut, wenn ich ihn auch wegen derEinheit der Zeit so leicht vertheidigen könnte. Allein meinGegner ist mir hierinnc überlegen, und hat es allzudcutlich er-wiesen, daß der gute Dichter allzugcschwind gegangen ist. Al-les, was ich folglich thun kann, ist, daß ich einige Anmcrkun-

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