sammelten und ihren Glanz entfalteten, wie uns das Johann XXII. in dem Dekret Etsi deceat anschaulich vor Augen geführt hat.
Daß während des 15. und in den ersten Jahren des16. Jahrhunderts der Hof der römischen Päpste mitsamt denpäpstlichen Nipoten der glanzvollste war und als ein Musterdes freien Tons (der einen Erasmus zur Begeisterung fortriß),der Pracht und der höfischen Sitten galt, wissen wir: dercortegiano Romano näherte sich am ehesten dem Idealbilde,das Castiglione vom Höfling seiner Zeit entwarf. Wir werdennoch sehen, wie der weltliche Glanz gerade hier in Rom während der Herrschaft der großen Renaissancepäpste seinehöchste Entfaltung erlebte.
Mit den Höfen der Päpste wetteiferten die der übrigenFürsten Italiens . Einer der frühesten Fürstenhöfe, der mo-dernes Gepräge trug, war der des Alphons von Neapel, vondem man gesagt hat, daß er „den Ruhm, die Pracht und dasschöne Geschlecht“ über alles liebte. Auch die Höfe zu Mai-land, zu Ferrara und in andern kleinen Residenzen entfaltenschon im 15. Jahrhundert ein ganz und gar modernes Leben.Begreiflicherweise entwickelten sich gerade in Italien dieGrundzüge dieses Lehens am frühesten, weil hier die Be-dingungen am frühesten erfüllt waren: Niedergang des Ritter-tums, „Verstadtlichung“ des Adels, Ausbildung des absolutenStaates, Wiedergeburt der Künste und Wissenschaften, gesell-schaftliche Talente, größerer Reichtum usw.
Aber für die Geschichte des Hofwesens von entscheidenderBedeutung wurde doch die Herausbildung eines modernenHofes in dem so viel größeren und mächtigeren Frankreich ,das ja dann seit dem Ende des 16. und während der beidenfolgenden Jahi’hunderte der unbestrittene Lehrmeister in allenAngelegenheiten wurde, die das höfische Leben betraf.
Der Begründer des französischen Hofes ist Franz I. Zwarhatte Ludwig XI. schon eine große Wendung dadurch herbei-geführt, daß er seinen officiers de la maison den Titel officiers
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