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Erstes Kapitel: Die neue Gesellschaft
de France gab und damit das Königshaus mit Frankreich identifizierte. Er bereitete mit diesem Schritte den Hof vor,der früher nur als Privatgesellschaft vorhanden sein konnte.Aber erst Franz I. schuf den Hof, und er schuf ihn dadurch,daß er die Frauen zur Herrschaft brachte. Er soll den Aus-spruch getan haben: daß ein Hof ohne Frauen einem Jahrohne Frühling, einem Frühling ohne Rosen gleiche. Darumrief er die Edeldamen herbei, die früher ihr Leben in denalten, grauen Donjons ihrer Burgen vertrauert hatten. Erschuf den Hof mit allem klugen Despotismus, mit allem Reize,so daß alles Leben und alle Welt des Landes nur um denKönig her zu finden war. „Seine Mutter führte diesen großenReigen an, sie suchte die schönen Mädchen aus, die SchwesterMargaretha gab eine andere Würze, das Spiel der Phantasieund des witzigen Geistes, und Franz breitete über alles denGlanz der Formen im Raum und Feste und brachte die Be-wegung mit dem Begehren und Wechseln L“ So entstand mitden Weibern die Intrige und die Galanterie und (was wirspäter genauer verfolgen werden) der Luxus. Was Franz I. begründet hatte, bauten dann die großen Ludwige nur insGigantische weiter aus.
Wie sehr es die Herrschaft der Frau war, auf die dieseganze Welt sich gründete, lehrt uns ihr Anblick, und dieZeitgenossen bestätigen es.
Ich führe die Aussprüche zweier Männer an: einen aus dem Anfang,einen aus der letzten Zeit dieser höfisch-weibischen Zeit, die, ganz undgar verschieden voneinander, das eine gemeinsam haben, daß sie in diesenFragen zweifellos ein sachverständiges Urteil abzugeben sehr wohl inder Lage sind: Sully und Mercier.
„11 ne faut que jeter les yeux sur tant de Gentilhommes mdtifs,dont la Cour et la Ville sont pleins, vous n’y voyez plus rien de cettevertu simple, male et nerveuse de leurs Ancetres; nuls sentiments; nullesolidite dans l’esprit; air dtourdie etdvaporö; passion pour le jeu et ladebauche; soin de leur parure; raffinements sur les parfums et surtoutes les autres parties de la mollesse: vous diriez qu’ils cher-chent ä l’emporter sur les femmes.“ Sully, Mem. 4, 16.