Der neue Adel
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uns Defoe wieder berichten kann von den reich gewordenenKrämern, die das Heroldsamt um Wappen bestürmen, und dieihre Ahnenreihe verfolgen, um vielleicht einen „vornehmen“Stammvater ausfindig zu machen: „we see the tradesmen ofEngland, as they grow wealthy, coming every day to theherald’s office, to search for the coats of arms of theirancestors, in order to paint them upon their coaches, andingrave them upon their plate, embroider them upon theirfurniture, or carve them upon the pediments of their newhouses ... In this search we find them often qualified toraise new families, if they do not descend from old; as wassaid of a certain tradesman of London, that if he could not findthe ancient race of gentlemen, from which he came, he wouldbegin a new race, who should be as good gentlemen as anythat want before him.“ 11 (Was aber offenbar nur aus der Noteine Tugend machen bedeutete.)
Noch fester aber wird das Band zwischen Adel und Reich-tum geknüpft, wenn die Söhne und Töchter aus den beidenGruppen sich heiraten und Kinder zeugen. Solcher Art Ver-bindungen zwischen Adligen und Emporkömmlingen gehörenin England mindestens seit den Stuarts zu den alltäglichenErscheinungen. Wenn Sir W i 11 i a m T e in p 1 e tatsächlich dieFeststellung gemacht hat 12 , daß es seiner Erinnerung nachetwa 50 Jahre her sei, seit die adligen Familien in die Cityhineingeheiratet hätten, „und zwar bloß um des Geldes willen“(for downright money), so könnten wir angesichts der großenAutorität dieses ganz hervorragenden Beobachters den Anfangdieser Blutsvermischung ziemlich sicher in die RegierungszeitJakobs I. verlegen. Jedenfalls ist 100 Jahre später, in derZeit, als Defoe schreibt, die Zahl der adlig-bürgerlichenMischehen offenbar bereits recht beträchtlich, denn Defoe spricht von ihnen wie von selbstverständlichen Erscheinungen.Natürlich waren es vornehmlich Edehnänner, die reicheErbinnen aus dem Kaufmannsstande heirateten, um ihre
Sombart, Luxus und Kapitalismus 2