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Erstes Kapitel: Die neue Gesellschaft
gezogen, so kann er unter Umständen Verkehr mit Gentlemenpflegen, selbst „commencing a Gentleman“ 7 .
Er erwähnt auch, daß viele Mitglieder der Gentry keines-wegs damit einverstanden seien, die Söhne oder Enkel derre ich gewordenen Roturiers, erst gar diese selbst in ihreReihen aufzunehmen 8 . Die Geldmacht fängt also offenbarin jener Zeit an, sich durchzusetzen: während des 18. Jahr-hunderts gelangt sie dann zu vollem Siege.
Postlethwayt, Miege-Bolton 9 und andere, die umdie Mitte des Jahrhunderts schreiben, haben schon eine etwasfreiere Auffassung: Zwar der Trading Man (auch der Grossistohne offenen Laden) kann erst Gentleman werden, wenn ersich zur Ruhe gesetzt hat. Aber: „As to Merchants (das sindÜberseekaufleute) . . . they deserves indeed to be rankedamong Gentleman,“ während Gregory King in seiner obenmitgeteilten Übersicht über die Einkommensverhältnisse Eng-lands im Jahre 1688 auch den Überseegroßkaufmann vomGentleman unterscheidet. Die Schriftsteller dann, die im An-fang des 19. Jahrhunderts ihre Ansicht über die „gemeineMeinung“ äußern, erklären zwar noch die Ausübung einesHandwerks oder das Halten eines offenen Ladens als unver-einbar mit einem Gentleman, nicht aber die Stellung alsFabrikherr oder Kaufmann (schlechthin) 10 .
Was aber das wichtige ist: während der ganzen früh-kapitalistischen Epoche bleibt die Vorstellung bestehen: daßdas Ziel des reichen Mannes doch schließlich die Aufnahmein eine gesellschaftlich vornehmere Kaste, eben den „Adel“, die Gentry sein müsse; bleibt aber auch der Feudalcharakterdieser Adelskaste insofern gewahrt, als Reichtum nicht alleinberechtigt, ihr anzugehören, sondern Eigenschaften, die alsdurchaus unbürgerliche zu gelten haben: eine gewisse Distanzvom Geschäftsleben, Pflege der Familientradition usw., wasalles seinen Ausdruck findet in den selbstverständlichen Ge-pflogenheiten des Gentleman, ein Wappen zu führen. Daher