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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Die Großstädte des 16., 17. und 18. Jahrhunderts

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Rom hat Ende des Jahrhunderts 140 000, Amsterdam 200 000Einwohner; Paris erreicht die halbe Million, London über-schreitet sie ( 1700 : 674350).

Während London allmählich an Größe während diesesJahrhunderts zunimmt, schnellt Paris offenbar in die Höhe.Es nimmt insbesondere während der Regierungszeit der beidenersten Bourbons einen raschen Aufschwung. Wir begegnenjetzt häufiger jenen seltsamen Edikten, von denen ich schonsprach: die das Erbauen neuer Häuser verbieten, um demWachstum der Stadt Einhalt zu tun:Reconnaissant quelaugmentation de notre bonne ville de Paris est grandementpröjudiciable.Attendu que lintention de Sa Majestö a ötöque sa ville de Paris füt dune ötendue certaine et limitöe . . .(In diesen Verboten äußert sich, könnte man sagen, ein ähn-licher Wille, wie er in den Zunftordnungen zur Anerkenntniskommt: das Widerstreben, ein organisches Gebilde ins Maß-lose wachsen zu lassen; das Widerstreben gegen die rück-sichtslose Vergrößerungs- und Quantifizierungstendenz deskapitalistischen Wesens; das Widerstreben des alten Nahrungs-mäßigen, Ständischen gegen die schrankenlose Ausdehnungs-sucht des Erwerbstriebes.)

Die Verbote fruchteten natürlich nichts; trotzdem siewiederholt werden (1627, 1637), wächst Paris gerade in diesenJahrzehnten mächtig an. Zwischen dem Paris Ludwigs XIII.und dem der Liga, meint ein urteilsfähiger Geschichtschreiber(Baudrillart), sei ein größerer Unterschied, als zwischendiesem und dem Paris der dritten Republik. Wie stark dieZeitgenossen den Wandel empfinden, spricht Corneille inseinem 1642 geschriebenen LustspielLe Menteur (Acte II,scöne V) aus:

Toute une ville entiöre, avec pompe bätieSemble dun vieux fosse par miracle sortieEt nous fait presumer, ä ses superbes toits,

Que tous ses habitants sont des dieux ou des rois.