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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Zweites Kapitel: Die Großstadt

in ziemlich gleichförmiger Weise entstehen läßt, ohne vieleRücksicht auf Landeseigentümlichkeiten, unter dem Druckder allgemein-kapitalistischen Entwicklung.

Ich will an den wichtigsten Großstädten des 17. und18. Jahrhunderts die Probe aufs Exempel machen.

1. Berlin . Der Typus der reinen Residenzstadt istBerlin, wo im wesentlichen nur der Hof, die Beamten unddas Militär als Städtebildner auftreten. Berlin beginnt erstin der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts etwas rascher zuwachsen: erst Anfang der 1760 er Jahre überschreitet die Be-völkerungsziffer das erste Hunderttausend. Aber auch nocham Ende des 18. Jahrhunderts ist Berlin fast ausschließlicheine darum gewiß arme Soldaten- und Beamtenstadt.Im Jahre 1783 zählte die Garnison mit ihren Weibern undKindern nicht weniger als 33088 Personen, das sind 23%der 141283 betragenden Gesamtbevölkerung (gegen 29448 Per-sonen oder 1,8 % im Jahre 1895). Die staatlichen und städti-schen Beamten bezifferten sich auf 3433, also mit ihren An-gehörigen auf rund 13 000. Dazu kam noch ein unglaublichgroßer Haufen von Bedienten (10 074), so daß diese drei mitdem Hofe zusammenhängenden Bestandteile der Bevölkerungüber 56 000 Personen, also über zwei Fünftel der Gesamt-bevölkerung ausmachten 27 . Wie arm diese Stipendiaten desarmen Preußenkönigs waren, zeigt der Umstand, daß sie nuretwa ebenso vielen Menschen Wohnung und Beschäftigunggeben konnten. In dem London oder Paris der damaligenZeit hätten dieselben 50000 Söldlinge eine Stadt von min-destens 2300000 Seelen gebildet.

2. Amsterdam. Auch Amsterdam ist zunächst Residenz-stadt. Wir ersehen das daraus, daß der Wegzug des Hofesgegen Ende des 17. Jahrhunderts große Schädigungen aufallen Gebieten im Gefolge hat 28 . Die Lücke, die hierdurchgerissen wird, wird aber bald ausgefüllt: Amsterdam wirdSitz der Staatsgläubiger von ganz Europa; in Amsterdam