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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Die Entstehung und die innere Gliederung der Großstädte 29

wo sie recht eigentlich zu Hause sind, über den Um-fang kleiner Mittelstädte hinaus zu entwickeln imstande ge-wesen sind.

Reine Handelsstädte, wie beispielsweise Bristol , das einReisebeschreiber um die Mitte des 18. Jahrhundertsthekargest, most populous and flourishing place in the islandand one of the principal cities of Europe nennt 26 , oder dieanderen blühenden Handelsstädte Englands in jener Zeit,Exeter, Lynn, Norwich , Yarmouth usw., zählen nicht mehrals 8040 000 Einwohner, als London längst die halbe Millionüberschritten hatte. Aber auch der Industrie wohnt im all-gemeinen noch keine großstadtbildende Kraft inne. Die In-dustriezentren noch des 18. Jahrhunderts, die Bergwerksstädteoder die Zentralen der Hausindustrie, wie New Castle, Glas-gow, Leeds, Manchester, Birmingham in England, Iserlohn ,Paderborn, Jauer, Hirschherg in Deutschland , sind Mittel-,meist Kleinstädte. Weder Großbritannien noch Deutschland weisen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts außer ihren Haupt-städten eine Stadt von 100000 Einwohnern auf.

WoHandelsstädte wie Amsterdam oder auch Hamburg den Charakter von Großstädten in jener Zeit, die uns be-schäftigt, aunehmen, lehrt eine genauere Untersuchung sehrbald, daß die Größe der Stadt ganz anderen Kräften ge-schuldet ist als dem Warenhandel.

So daß ich nur eine einzige Stadt namhaft zu machenwüßte, die vor dem 19. Jahrhundert als Produktionsstadt indie Reihe der Großstädte aufgerückt ist: Lyon, den Sitz dergrößten Luxusindustrie der frühkapitalistischen Epoche (ob-wohl selbst bei Lyon der Kreditverkehr sicher auch einenwesentlichen Anteil an der Ausbreitung der Stadt gehabthaben mag).

Ebenso leicht läßt sich nun aber auch der bejahendeNachweis erbringen, daß die Zusammenballung des Konsumses in der Tat ist, der die ersten Großstädte entstehen läßt,