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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Zweites Kapitel: Die Großstadt

häuft wurden: Pietro Riario, der Sohn Sixtus IV. , hat60000 Goldgulden Rente;

fünftens die großen Adelsgeschlechter, die Orsini , Co-lonna usw., die noch über riesige Ländereien und dem-entsprechend hohe Grundrenten verfügten.

Während die Päpste in Avignon residierten, drohte Rom zu veröden: Kardinal Napoleone Orsini versichert nach demTode Clemens V. dem französischen Könige, daß durch denWegzug der Päpste Rom an den Rand des Verderbens ge-bracht sei. 1347 meint Cola di Rienzi, Rom gleiche mehreiner Räuberhöhle als einem Wohnort gesitteter Menschen 88 .

5. Madrid. Was Rom und Venedig im 15. und 16. Jahr-hundert gewesen waren, das wurde Madrid im 17. Jahrhundert:die Weltstadt. Hier hielt der mächtigste König der ErdeHof; hier war der Mittelpunkt des größten Weltreiches; hier-hin strömten die Silberschätze Amerikas. Kein Wunder, daßMadrid zum Anziehungspunkt für alles wurde, was in Spanien Macht und Reichtum besaß. Nichts war so lebhaft als derWunsch, inden Haushalt des Königs aufgenommen zuwerden. Die Hofämter, die der König verschenkte, waren dasZiel, nach dem vor allem die jüngeren Söhne des Adelsstrebten. Es läßt sich ziemlich genau verfolgen, wie Madrid durch das Zusainmenströinen der Granden namentlich seitPhilipp III. rasch an Bedeutung gewinnt:Los lugares parti-culares, urteilt ein Zeitgenosse,se van depoblando de losvecinos vicos e poderosos 84 . Es scheint auch fast, als obMadrid neben Rom die erste moderne Großstadt gewesenwäre, die einen starken Zustrom fremder Besucher, die sichhier vergnügen wollten, gehabt hat.Das edle Gasthaus derFremden hieß Madrid 85 .

6. Neapel. War Madrid im 17. Jahrhundert die dritte,vielleicht die zweitgrößte Stadt Europas gewesen (es soll zurZeit seiner höchsten Blüte 400000 Einwohner gehabt haben),so wuchs jetzt Neapel so sehr an, daß es während des folgen-