Die Entstehung und die innere Gliederung der Großstädte 33
den Jahrhunderts die Stelle unmittelbar hinter London undParis einnahm.
Neapel ist ein Schulbeispiel, um an ihm die Richtigkeitder hier verfochtenen These (daß alles frühe Großstadt wesenauf Konsumkonzentration beruht) zu erweisen. Neapel istnie etwas anderes als Residenz gewesen, und diesem Um-stande, der sich mit dem anderen verband, daß es die Haupt-stadt eines frühzeitig geeinten Ländertums mit zentralisiertemVerwaltungs- und Gerichtswesen war, verdankt es zu einerZeit schon sein Großstadttum, als keine der anderen italieni-schen Städte dieses Ziel erreicht hatte.
Neapels Größe und Neapels Reichtum flössen aus zweiQuellen: dem Königtum und der Kirche. Das wußten auchdie Zeitgenossen schon. Des Königs Dienst ist unser Handel:„regis servitium nostra mercatura est“, urteilt Caraccioli, indessen Schriften wir Neapels soziale Struktur wie in einemSpiegel wahrnehmen. In der Tat: unendlich groß war dieZahl der Ämter in Neapel , denn die Zentralisation führtezur Vielregiererei; ungemein fein ausgebildet war das Systemder Sporteln, die als eine wesentliche Einnahmequelle eben-falls schon von den Zeitgenossen erkannt wurden. Dem, dersich in der gebildeten Welt Neapels bewegte, schien es kaumetwas anderes dort zu geben als diese „unbegrenzte Zahlvon Rechtsgelehrten, Advokaten und Schreibern“ (Folieta).Als dann die Herrschaft der Spanier dauernd entschiedenwar, trat eine Verringerung des Hofeinflusses zunächst ein,die von Caraccioli deutlich wahrgenommen wurde: jetzt seider König fern; die Stadt verfalle immer mehr; die Baronehielten keine großen Gefolge mehr; damit verliere auch dasöffentliche Leben Schwung und Glanz: man sehe niemandmehr mit fürstlichem Prunk einherziehen. Die Stadt ent-völkere; die Mieten sinken: alles nur, weil Neapel aufgehörthabe, Königsstadt zu sein. Er wiederholt: „Das war unserHandel, der unserem Adel Reichtum brachte.“
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