Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
150
Einzelbild herunterladen
 

150 Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 4751,

so geschah es dann und wann, daß er statt seiner, seine Vaterstadtlobte. O wahrhaftig! das heifit die Alten mit lleberlcgung nachahmen,wenn cS anders der Herr Prof. Gottsched zur Nachahmung der Altengethan hat. Wer kann übrigens ernsthaft bleiben, wenn er das Lobdieses Weltreisen ans die Erfindung vcrschicdner Kleinigkeiten stüzt,wie zum Ercmpcl seine Dyadik ist, welche er zu erfinden eben nichtLcibnitz hatte seyn dürfen. Doch die Dyadik ist für den Hrn. Prof.vielleicht ein eben so unbegreifliches Ding als ihm die AnalysiS infi-iiitorum zu seyn scheint, die er, mit vieler Einsicht, die Rechenkunstin den unendlich Kleinen nennt. Dem poetischen Geiste des Hrn.Professors das völligste Recht wicdcrfahrcn zu laficn, dürften wir nureine Stelle ans einem Schreiben an den Herrn von Schcyb anführen,wo er sein zu entbehrendes Urtheil über den McfiiaS fällt; allein wirwollen es immer in einem Buche laficn, in welchem es nur bey de-nen einen Eindruck machen wird, welche gestraft genug sind, diesesgrofic Gedicht nicht zu verstehen. Gesetzt c§ hat einige Flecken, sobleibt es doch allezeit ein Stück, durch welches unser Vaterland dieEhre schöpferische Geister zu besitzen vertheidigen kau. Eine Anmerkungaber müssen wir aus angeführtem Schreiben hersetzen:Herr Bodmcr,sagt der Herr Prof. Gottsched, hat an den Hrn. Schuch, Principaleiner deutschen Schauspiclcrgcscllschaft, nach Basel geschrieben, undihn eingeladen nach Zürch zu kommen, nicht etwa tragische und ko-mische Schauspiele daselbst aufzuführen, sondern durch seine geschick-testen Personen beyderley Geschlechts den McfiiaS auf öffentlicherBühne hersagen zu lassen. Der Brief ist vorhanden." Die Wahr-heil dieser Anekdote vorausgesetzt, so ist sie eben so gar lächerlich nicht,als sie dem Herrn Prof. scheinet. Wäre cS nicht sehr gnt, wenn manauch unsre Schauplätze zu den Vorlesungen vcrschicdner Arten vonGedichten anwendete, wie cS in der That bey den Römern üblichwar. Hat er vergessen, dafi Nirgil selbst sein Heldengedicht auf öffent-lichem Theater dem Volke vorgelesen hatS Diese Gedichte kosten in denVofiischcn Buchlädcn hier und in Potsdam 2 Thlr. 4 Gr. Mit 2Thlr. bezahlt man das Lächerliche, und mit 4 Gr. ohngefchr dasNützliche.

(30. März.) Leipzig und Greisswalde. Sammlung auserle-sener Abhandlungen ausländischer Gottesgelehrten zur Unter-weisung des Verstandes und -Lcsscrung des Herzens; zusam-