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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Die Fürstenhöfe

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Die Originalrechnungen findet man unter den Mss. der National-bibliothek Suppl. frans. 8157, 8158. Sie sind in der Hauptsache ver-öffentlicht von den Goncourts im Anhang zu ihrem Buche über dieDu Barry.

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Eine kurze Zeitspanne hindurch hat der Glanz amspanischen Hofe vielleicht den der französischen Hofhaltungin den Schatten gestellt: sagen wir von der Erschließung derSilberminen Potosis und Guanaxuatos an bis in die Regierungs-zeit Philipps IY. hinein war Madrid der Schauplatz einerunerhörten Prachtentfaltung, und der spanische Stil wurde,wie man weiß, seitdem vielfach zum herrschenden. Die Ein-nahmen, auf denen diese pompöse Lebensgestaltung ruhte,waren noch unter Philipp III. bedeutend. Nach deu Schätzungendes venetianischen Gesandten Tomaso Contarinis betrugen sie16 Mill. Duk. (also etwa 150 Mill. Fr.). Die Richtigkeitdieser Schätzung wird bestätigt durch die Ergebnisse einerUntersuchung, die Heinrich IV. anstellen ließ (um die Hilfs-quellen seines Gegners zu erforschen); diese ergab eine(Netto-)Einnahme von 15 658000 Duk., während noch etwa5 Millionen hei den Vizekönigen, Steuereinnehmern usw. hängenblieben. Freilich: ein recht erheblicher Teil dieser Summediente zur Verzinsung der Staatsschuld (die aber natürlichauch im wesentlichen der Luxusentfaltung zugute kam, wiewir noch sehen werden). So daß nach einer Aufstellung desGrafen Lerma vom Jahre 1610 nur 4487 350 Duk. zur Ver-fügung des Königs blieben, von denen nicht ganz eine Millionfür die Hofhaltung verwandt wurde 86 .

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Hinter Frankreich und Spanien folgt (in Westeuropa) un-mittelbar England. Hier bildet den Höhepunkt des höfischenGlanzes die Regierungszeit der Stuarts , die ja in den fran-zösischen Königen ihr Vorbild sahen. Wir haben einen Ab-glanz von der Pracht des Hofes unter diesen Fürsten in den