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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus

Bildern Yan Dyks, Peter Lelys, Huysmans , die uns die gecken-haften Männer und die schönen stolzen Frauen in den herr-lichen Brokat- und Atlasgewändern mit den schweren Barock-falten gemalt haben. Die Schilderungen der Zeitgenossen,wie sie etwa das Journal von Pepys enthält, entsprechen sehrwohl dem Bilde satter Lebensfreudigkeit, das die Gemälde dieserKünstler in uns wachrufen. Es gemahnt uns an den großenLudwig, wenn wir von Karl I. hören, der 24 Schlösser sovollständig ausstattete, daß er aus einem in das andere reisenkonnte, ohne sich mit Gepäck zu belasten, oder von Jakob I. ,der für die Hochzeit seiner Tochter 93278 £ ausgibt,während wir dann wieder den Abstand gegen Frankreich ge-wahr werden, wenn wir von Karl II. erfahren, wie er weh- unddemütig dem Hause der Gemeinen das Versprechen ablegt,in Zukunft weniger verschwenderisch zu sein als bisher, da-mit er mit seiner Zivilliste endlich einmal reichen möge.Der respektable Bürger mag in solchen Augenblicken Morgen-luft gewittert haben: eine neue Welt, die Welt, in der derGeist der auskömmlichen Wohlanständigkeit herrschen sollte,kündigte sich an. Aber auch der Oranier liebte den Glanzan seinem Hofe 86 , und das Haus Hannover hat in seinenbeiden ersten Vertretern ihnen nachgeeifert.

Die Summen, über die die englischen Könige verfügten,reichen nicht an diejenigen heran, die Ludwig XIV. demLande abpreßte; sie waren immerhin für jene Zeiten ansehn-lich genug und stellen eine recht erhebliche Nachfrage nachLuxusartikeln dar.

Im Jahre 1549 betrugen die Ausgaben für den könig-lichen Haushalt ICO 000 £, schon fünfmal soviel als unterHeinrich VII. In den nächsten beiden Menschenaltern ver-fünffachten sich diese Ausgaben noch einmal. Nach derRestauration erhielten die Könige eine Zivilliste bewilligt,und seitdem können wir ihren Aufwand ziffernmäßig genauverfolgen 87 . Die 1200 000 £, die für Karl II. ausgesetzt