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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Die Fiirstenhöfe

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wurden, sind freilich nie ganz bezahlt worden, so daß derarme Karl, der soviel brauchte, immerfort in Geldnöten lebte.Sein Etat für 1675/76 war auf 462115 SS in der Ausgabebemessen worden.

Wilhelm III. hat während seiner Kegierungszeit vom5. November 1688 bis 25. März 1702 insgesamt <£ 8880506 2 9 für seinen und seines Hofes Bedarf verausgabt;Queen Anne in den folgenden 12 Jahren 7 604848 SS im Jahres-durchschnitt also 586900 SS (während ihre Zivilliste 700000 SSbetrug, von einem Gesamt-[Friedens-]Budget von 1965605 SS).Die Zivilliste unter den beiden ersten Georgs schwanktzwischen 8 und 900 000 SS, sie steigt mit Georg III. auf923196 SS.

Daß auch in England der Luxus am Hofe ein Luxus derMaitressen und für die Maitressen war, lehrt die intime Ge-schichte dieses Hofes. Seit es einen Hof in England gibt,gibt es auch Königslieben, von deren Neigung zur Pracht-entfaltung und zum Wohlleben wir sehr gut unterrichtet sind.Wir erinnern uns der Barbara Palmer, der Keroualle (derLudwig XIV. selbst den Hof macht, als sie nach Paris kam,so daß man von ihr wohl mit Hecht gesagt hat, ihr seidenesTaillenband habe 15 Jahre lang England und Frankreich zu-sammengehalten); wir erinnern uns der Catherina Sedley,der Baronin von Darlington, der Gräfin von Dorchester undso mancher anderen Amante en titre der Stuarts; wissen aberauch, daß sich der zum Könige gewählte Kurfürst von Han-nover Georg Ludwig seine Geliebten gleich mitbrachte, dieer dann in England zur Gräfin von Arlington und Herzoginvon Kendel machte; daß selbst Georg II. seinen Bedarf an Mai-tressen aus Anhänglichkeit an die alte Heimat noch in Han-nover deckte, und daß er eine Frau von Wallmoden in eineGräfin von Yarmouth umwandelte.