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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
Die ganz ähnlichen Verhältnisse an den deutschen Fürsten-höfen, unter denen Sachsen, Hannover, Württemberg dieluxuriösesten waren, oder auch in den östlichen Ländern zuschildern, hat keinen Zweck, da diese Höfe für den Gang derwirtschaftlichen Entwicklung längst nicht die entscheidendeBedeutung erlangt haben wie die der westlichen Staaten.
Besonders hervorheben will ich nur die Aufwendungen fürPorzellan, dessen Herstellung seit Anfang des 18. Jahrhundertsauch in Europa gelang und Veranlassung zu einer der erstengroßen Industrien wurde: dank vor allem der massenhaftenBestellungen, zu denen geradezu ein Wahnsinn die Fürsten trieb. Man lese etwa die folgende Bestelliste des sächsischenHofes vom 25. Februar 1732 88 :
„Specificatio, was in dem kgl. holl. Palais zu der neuenforderen Gallerie in der Oberen Etage von Porcellain erfordert
wird . .
30 Aufsätze Stücken von 6 Garniduren266 einzelne Vasen differenter Facon198 Stück allerhand groß und kleine Thiere198 dgl. . . . Vögel48 Terrinen mit Deckel170 Stüc k Schüsseln910 Stück.
Aber auch der arme Preußenkönig bestellt für 283679 Tlr.4 Gr. Porzellan bei der Meißener Manufaktur.
III. Die Nachfolge der Kavaliere und der Protzen
Der Luxus, den der Hof trieb, verbreitete sich allmählichüber alle die Kreise, die ihr Ideal im Hofe erblickten odermit dem Hofe irgendwie in Beziehung standen; das warenaber, wie wir getrost sagen können, alle reichen Leute, dienun von demselben Streben nach weltlichem Glanze ergriffenwurden, wie es die höfischen Kreise beherrschte. Wir können