Die Nachfolge der Kavaliere und der Protzen
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'genau verfolgen, wie geradezu ein Zwang zum Luxus vomKönige ausging, namentlich von Ludwig XIV. , von dessenEinfluß auf die Gesellschaft uns ein in diesen Fragengewiß einwandfreier Augenzeuge wie folgt berichtet: „IIaima en tout la splendeur, la magnificence, la profusion, illa tourna en maxime par politique et il l’inspira ä toute sacour. C’ötait lui plaire que de s’y jeter en tables, en habits,en öquipages, en bätiments, en jeu . . . C’est une plaie qui,une fois introduite, est devenu le cancer intörieur qui rongetous les particuliers, parce que de la cour il s’estpromptement communiquö ä Paris, dans les provinees et lesarmöes, ob les gens en place ne sont contös qu’ en proportionde leur table et de leurs magnificences . . . Par la folie desgens, eile va toujours croissant; les suites en sont infinies,et ne vont a rien qu’ ä la ruine et au renversement gdnöral.“Saint Simon, Möm. t. VIII de l’öd. Hachette, p. 125/26.
Man schaute, zumal in Frankreich, zu dem Könige aufwie zu einem Gotte: Ludwig wurde zum arbitre du goüt fürParis: — „Paris — pour l’ordinaire singe de la cour“ meintLa Bruyöre —; für die Provinz; für Europa . Wie Man-sart haute, wie Le Nötre die Gärten anlegte, wie Lebrun dieMöbel zeichnete, wie Rigaud malte: so wollte jeder, dem dieMittel es erlaubten, seine Häuser bauen, seine Gärten anlegen,seine Einrichtung gestalten, sich malen lassen. Man weiß es ja.
Aber der Prozeß der Verweltlichung hätte sich gewißnicht so schnell vollzogen, die Entfaltung des Luxus wärenicht in so kurzer Zeit ins Unermeßliche gewachsen, wennneben dem Hofe nicht ein anderer wichtiger Quell auf-gesprungen wäre, aus dem in breitem Strom Genußsucht,Lebensfreudigkeit und eitler Prunksinn sich über die Weltergossen hätten: wenn nicht ein ganz intensives Luxus-bedürfnis bei den Nouveaux riches, deren Werdegang wirkennen gelernt haben, wie eine verheerende Krankheit aus-gebrochen wäre. Ihren Einfluß auf die Umgestaltung des