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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
Lebensstils, vor allem ihre Mitwirkung bei der quantitativenAusweitung des Luxusbedarfs, müssen wir nun verfolgen.
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Es ist eine Erscheinung, die in unserm Kulturkreiseimmer wiederkebrt, daß Leute aus dem Volke, die schnellzu Reichtum kommen, diesen Reichtum vorwiegend zu Luxus-zwecken verwenden. Und die Zusammenhänge, die dieserErscheinung zugrunde liegen, lassen sich unschwer feststellen:es ist auf der einen Seite die Unfähigkeit der natürlichenund rohen Menschen, dem Leben andere Freuden als materielleabzugewinnen, wie sie vor allem aus einer reichen Aus-stattung mit Genußgütern fließen; sie ist auf der andern Seiteder brennende Wunsch, sich neben der durch Vornehmheitabgeschiedenen Gesellschaft eine geachtete Stellung zu er-obern, was den reich gewordenen Krämer oder Lakaien zurLuxusentfaltung antreibt. (Wenn er nicht den entgegengesetztenWeg, auf dem wir ihn ein anderes Mal verfolgen werden,einschlägt und „geizig“ wird.) Die beiden Triebkräfte, dieallen Luxus erzeugen: Ehrgeiz und Sinnenfreude sind hiergemeinsam am Werke, um den Protzenluxus zu entwickeln.
Und deshalb wird in der Geschichte der Weg des Reich-tums durch ebensoviele Etappen der Luxusentfaltung be-zeichnet: von dem ersten Auftauchen bürgerlicher Empor-kömmlinge an.
Diderot hat sicher nicht richtig beobachtet, wenn erdie Meinung äußerte, daß die reichgewordenen Knoten früherbescheiden im Verborgenen gelebt und erst zu seiner Zeitihre Reichtümer zur Schau gestellt hätten; wenn er sogardenjenigen glaubt mit Namen nennen zu können, der alseiner der ersten mit seinem Reichtum durch Luxusentfaltunggeprotzt habe: Bonnier.
Zu Dantes Zeit begegnen wir schon den verschwenderi-schen Knallprotzen: wie jenem Giacomo da Sant Andrea, der