Die Nachfolge der Kavaliere und der Protzen
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silberne und goldene Geräte in den Fluß warf oder Gebäudein Brand setzte, um die festliche Stimmung zu erhöhen, gabes eine Menge, die ähnlich lebten und eine ganze Gesell-schaft von Verschwendern bildeten 89 : die brigata godericciaoder spendericcia.
„La gente nuova e i subiti guadagniOrgoglio e dismisura han generatoFiorenza in te, st che tu giä ten piangi“j
(Inf. 16, 73—75)
zitiert ja schon jeder „Historiker“ von Florenz .
Nicht einmal für Frankreich hatte Diderot recht.Oder sollen wir den Jacques Coeur im 15. Jahrhundert, denreich gewordenen Geldgeber, der Palais in Paris, Lyon, Tours undsieben anderen Orten besaß, sollen wir die Semblanqay, sollenwir Thomas Bohier, den Erbauer von Chenonceaux im 16. Jahr-hundert nicht zu den Protzen rechnen? Wollen wir vor allemdie reichgewordene Kanaille des 17. Jahrhunderts, die, wieLudwig XIV. selbst sagte, einen „frechen Luxus“ trieb,vergessen? Die Ludwig in den Mund gelegten Worte sindaußerordentlich lehrreich; er spricht 90 von „Gens d’affaires,qui d’un cötö couvraient leurs malversations par toutes sortesd’artifices et les döcouvraient de l’autre par un luxe in-solent et audacieux, comme s’ils eussent craint de me leslaisser ignorer (!)“.
Schließlich gehört doch auch Fouquet, der Obergauner, zudieser Sorte; er, der 20—30 Millionen Francs für Luxus-zwecke vergeudete (davon allein 18 Millionen Francs für seinSchloß in Vaux), wie uns Colbert (der übrigens selbst keines-wegs den Aufwand großen Stils verschmähte) mit Entrüstungin seiner Denkschrift über Fouquet vorrechnet.
Den innigen Zusammenhang, der zwischen dem Empor-kommen der Roture und der Ausweitung des Luxusbedarfsbesteht, können wir ganz genau verfolgen, wenn wir uns dieEtappen gegenwärtig halten, in denen die Leute, „quos virtus
Somhart, Luxus und Kapitalismus 7