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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
worden, so ist er es doch, der dem Luxus in unserer Periodeden Stempel aufdrückt, wodurch jene Zeit allen reich ge-wordenen Schweinemetzgern und Geldmenschen zum Trotzsich als eine aristokratische von unserer Zeit deutlich abhebt.
Während der ganzen Zeit: von der Eroberung Kon-stantinopels durch die Venetianer bis zur Erfindung der dreiWalzen Pauls, trägt der Luxus, können wir getrost sagen, in-sofern ein einheitliches Grundgepräge, als seine Natur höfisch-aristokratisch ist. Vom Hofe oder von der Aristokratie(die eine solche bleibt trotz der Zufuhr von Plebejerblut) wirdder Ton angegeben: bald mehr vom Hofe, wie im 17. Jahr-hundert (Frankreich) , bald mehr von der „Gesellschaft“, wieim 16. und 18. Jahrhundert (Italien-England) . Aber immerbleiben diese beiden Elemente die einzigen Träger der Luxus-kultur. Diese Kreise, in denen aller Luxus zur Entfaltungkommt, heben sich — in ihrer eigenen Vorstellung und in derder anderen — scharf ab gegen die bürgerliche Welt, gegendas Pack, auch wenn in diesem etwa schon recht ansehnlicheVermögen sich angesammelt hatten. Aber der Westender undder Cityman: der Kavalier und der Rundkopf, wenn auchnicht mehr im alten politischen, so doch in einem scharf ge-prägten sozialen Sinne, unterscheiden sich selbst in England bis gegen das Ende des 18. Jahrhunderts. So urteilen alleguten Beobachter.
„Die Westlondoner werden von den City-Bewohnern wegen ihresMüßigganges, ihrer Üppigkeit, unordentlichen Lehensart und ihrem Hangezu französischen Sitten durchgezogen, die diesen Spott aber in reichemMaße erwidern und einen City-Engländer als ein unhöfliches plumpesTier schildern, das sein Verdienst bloß im Gelde sieht.“
Archenholtz 1, 164.
„When I consider this great city in its several Quarters andDivisions, I look upon it as an Agregate of various Nations distinguishedfrom each other hy their respective Customs, Manners and Interests.The Courts of two Countries do not so much difi'er from one another,as the Court and City in their peculiar ways of Life and Conversation.In short, the inhabitants of St. James, notwithstanding they live under