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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus

Nacht verpraßt hat. Die Hautefinance steht in ihrer Wirt-schaftsführung dem Krämer, der die Pfennige berechnet, ebensoferm wie die Feudalaristokratie. Sie kennt auch ebensowenigwie diese den Begriff desSparens. Alle diese spezifischkleinbürgerlichen Anschauungen, die sich dann auch in derBourgeoisie verbreiten, sind den reichen Schichten der früh-kapitalistischen Epoche noch fremd. Wenigstens jenenSchichten, die wir für den Luxuskonsum dieser Tage ver-antwortlich machen können. Dieser also ist, das wollte ichsagen, durchgehends, auch wo er von den Turcarets getragenwird, seigneurial. Ein paar Beispiele werden verdeutlichen,was ich meine.

Da steht vor uns, wie er leibt und lebt, der famoseBassompiöre, geradezu ein Typus seiner ganzen Kaste, vondem wir folgendes Geschichtchen erfahren 94 : auf einem Festeträgt er ein Kostüm in drap dor, geschmückt mit Palmen,bedeckt mit Perlen, deren Gewicht er selbst auf 50 Pfundangibt (seigneurial: das Repräsentativ-Pomphafte: siehe dieDarstellung weiter unten S. 107). Dies Kostüm kostete14000 öcus, davon 700 für die Fagon (Macherlohn). AlsBassompiöre es bestellte, verlangte sein Schneider 4000 öcusAngeld, die B. ihm verspricht. Darauf geht er soupierenund spielen (mit 700 öcus in der Tasche). Er gewinnt5000 Taler, mit denen er am nächsten Morgen (in einerAnwandlung von Schwäche) seinen Schneider bezahlt. Dannspielt er weiter und gewinnt in den nächsten Tagen den ganzenRest der Schneiderrechnung zusammen und 11000 Taler dazu.Von diesen kaufte er sich für die Hälfte (5500) einen Degenmit Diamanten besetzt, das andere verwendet er für seinemenus plaisirs.

Spieler : 95 Orry de Falvy verliert an einem Abend600000 1., Dapin de Chenonceaux an einem Abend 700000 1.,de la Haye an einem Abend 800000 1. (bei M me de Genlisgegen M. de Föneion!); ein Sohn von Paris La Montagne bei