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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
2. Der Luxus zu Hause
a) Der Eßluxus ist in Italien während des 15. und16. Jahrhunderts ausgebildet worden, als dort eine „Koch-kunst“ neben den andern Künsten entstand. Vorher hattees nur Freßluxus gegeben: nun verfeinerte man auch diesenGenuß und setzte auch hier die Qualität an Stelle der Quantität.
Auch der Eßluxus wandert von Italien nach Frankreich, wo er seit dem Ende des 16. Jahrhunderts seine eigentlichePflege erhält. Ihn in seiner Entwicklung zu verfolgen istkaum möglich, ohne eine lange Abhandlung über Speisen-zubereitung zu schreiben, wie sie in den Kähmen dieser Unter-suchung doch nicht passen würde. Nur die eine Frage willich hier doch wenigstens ebenso stellen wie in den andernFällen: verdanken wir die Verfeinerung der Kochkunst undsomit die Entfaltung des Eßluxus abermals dem Weibchen?
Psychologisch-physiologisch ist die Sache „strittig“: wienahe Kochkunst und Liebeskunst miteinander verwandt sind.Man ist geneigt, Erotik und Gourmandise in einen gewissenGegensatz zueinander zu stellen, wenn man etwa als dieLebensalter des Mannes: die Liebe, den Ehrgeiz und dasDiner bezeichnet. Schlimme Nicht-Erotiker wie Kant warengroße Gourmös. Aber mir will doch scheinen, als ob wir ohnedie allgemeine Verfeinerung und Versinnliehung unseres Ge-schmackslebens, wie wir es dem Einfluß der Frau verdanken,auch niemals zu einer Höherentwicklung der Eßkunst gelaugtwären. Liegt bei der leidenschaftlichen Gourmandise, wie wirsie bei alten Hagestolzen finden, eine „Verdrängung“ erotischerTriebe vor? So daß die Gourmandise beim Mann etwa derKatzenliebe alter Jungfern entspräche? Auch das wäre zuprüfen.
Nur in einem Punkte scheint mir schon heute Klarheitzu herrschen: das ist der Zusammenhang zwischen Süßigkeits-konsum und Weiberherrschaft. Wir können deutlich die Linie