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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
An dieser Entstehung eines großstädtischen Luxus nimmtnun abermals überragend großen Anteil — das Weibchen.
Was hier in Betracht kommt, ist namentlich folgendes:
1. Die Theater, vor allem die eleganten Opernhäuser,die zuerst in Italien mit großer Prachtentfaltung gebautwerden und dann in den übrigen Großstädten Europas eben-falls eine Stätte finden: Epoche in der Geschichte des Theater-baues macht das 1787 erbaute Theater S. Carlo in Neapel. In Paris bestehen seit 1G73: die Oper, unter dem NamenAcadömie royale de Musique, die seit dem Tode Moliöres imPalais royale ihre Vorstellungen gibt; die Comödie frangaise,die ihr neues Haus in der rue S. Germain des PiAs am18. April 1689 eröffnet; und die Comüdie italienne, die imHotel de Bourgogue spielt (mit einer Unterbrechung von 1697bis 1716) 119 .
Zunächst sind es meist nur Hoftheater, zu denen außerdem Hofe selbst nur geladenes Publikum Zutritt hat; all-mählich werden die Häuser jedermann geöffnet, der sein Ein-trittsgeld bezahlt. Aber auch dann sind die besseren Theaterlange Zeit noch der Rendezvousplatz ausschließlich der oberenSchichten der Gesellschaft, denen hier eine neue Gelegenheitgeboten wird, zu flirten und ihren Staat zu entfalten 12 °.
Von Paris urteilt Capon: die Königliche Akademie derMusik und des Tanzes, respektive die Oper, sei nichts anderesals eine „maison publique pour gentilhommes“.
2. Die öffentlichen Musikhallen und Ballhäuser(würden wir heute sagen), die zuerst (scheint es) in London mit allem Aufwand errichtet wurden und wegen ihrer Eleganzvon allen Londonern und namentlich von den Fremden be-wundert wurden.
Defoe gibt uns von dem größten und wichtigsten dieserGebäude, dem Pantheon, folgende Beschreibung 121 :
„Nor should the Pantheon be forgotten, which in taste,magnificence and novelty of design and decoration may be