Der Sieg des Weibchens
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vor Augen zu führen durch folgende Erzählung, die er inseinem Haushaltungsbuche niedergeschrieben hat 118 .
„Mon grand-pöre voulut aller ä Paris et dans un an il depensa14 000 livres, ce qui fit dire ä son pfere qu’une paire de lunettes, qu’illuy apporta en present, lui coütait 14000 livres. II y avoit dejä un equipagedans la maison et quatre chevaux blancs; mon grand pere vint de Parisavec un grand goüt pour les chevaux de main ... II avoit amend deParis un valet de chanihre, du quel son pere disoit, en badinant, qu’iln’asoit lui demander ä boire, le voyant mieux vetu que luy.“
Aber bedeutsam für die Entfaltung des Luxus wirddie Großstadt vor allem dadurch, daß sie ganz neue Möglich-keiten heiterer und üppiger Lebensführung und damit neueFormen des Luxus schafft. Sie überträgt die Feste, die bisdahin die Höflinge im Schlosse des Fürsten allein gefeierthatten, auf breite Schichten der Bevölkerung, die nun eben-falls sich ihre Stätten schaffen, wo sie ihren Vergnügungenregelmäßig nachgehen. Als Ende des 18. Jahrhunderts derFürst von Monaco nach dem Tode des bei ihm verstorbenenHerzogs von York auf die Einladung des Königs nach Eng-land kam und am Abend die vielen Lichter auf den Straßenund in den Schaufenstern der bis 10 Uhr geöffneten Lädenerblickte, bildete er sich ein, die ganze Beleuchtung sei ihmzu Ehren veranstaltet worden: in dieser Anekdote spiegeltsich wunderhübsch die grundsätzliche Umwandlung wider,die sich um jene Zeit zu vollziehen freilich erst eben anfing:an die Stelle streng privater Luxusentfaltung tritt eine Artvon kollektiver Luxusgestaltung. Die Kommunisierung derLebensführung, die dann recht eigentümlich erst für diefolgende Periode der Volkswirtschaft ist, beginnt: wir nehmenhier kurz davon Kenntnis und stellen fest, daß diese bedeut-same Wirkung der Großstadt — darum gehört ihre Er-wähnung an diese Stelle — einstweilen sich durchaus in denGrenzen des Luxusbedarfs bewegt, daß nur die oberstenSpitzen der Gesellschaft von der Neuerung berührt werden.