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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus

die Schauspielhäuser füllten:Eine Keuschheitskommission,wie ehedem zu Wien war, wenn solche in London möglichwäre, würde diese Stadt entvölkern . . . unzählige Nahrungs-zweige, denen die Hälfte der Einwohner ihren Unterhalt,ja ihr Dasein zu verdanken hat, würden ganz vernichtet undLondon in eine Einöde verwandelt werden. Will man mehrBeweise, so frage man in den Tausenden von Kramläden inder City, wer die meisten Käufer und die besten Kundensind. Der Gewinst einer Nacht bei dieser zahllosen Menschen-klasse wird den folgenden Tag sogleich zu den Krämern ge-bracht, da diese Unglücklichen für eigene Rechnung gar nichtunmäßig sind, vielmehr darben, um alles auf den Putz zuwenden. Ohne sie würden die Schauspielhäuser leer sein 12B .Irgendwo mußten ja die 50 Millionen Frank bleiben, dienach der Meinung M e r c i e r s jährlich den Yenuspriesterinnenin den Schoß flössen 126 .

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Alles in allem scheint mir Godard dAucourt, derbekannte Generalpächter, den Nagel auf den Kopf zu treffen,wenn er die Widmung seinerMömoires turcs (an M me Duthö,die große Schauspielerkurtisane) mit den folgenden Wortenschließt, die auch am Ende dieses Traktates füglich stehen:Jawohl, meine kleinen Fräuleins: ihr seid der wahreLuxus, der für jeden großen Staat eine Lebensbedingung ist;ihr seid der reizende Köder, der ihm die Fremden und ihreGuineen herbeilockt: 20 bescheidene Bürgerinnen haben fürdie Staatsfinanzen weniger Wert als eine einzige unter euch.(Oui, mes demoiselles, vous ötes le vöritable luxe, essentielä un grand £tat, lappät enviable qui lui attire les ötrangerset leurs guinöes; vingt modestes citoyennes valent moinsau trösor royal quune seule dentre vous.) 127