Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalis-mus aus dem Luxus
Literatur: vakat
I. Richtige und falsche Problemstellung
Das Problem, das ich hier aufrolle: welche Bedeutungder Luxus für die Entfaltung des Kapitalismus habe, die Frage,ob und wodurch der Luxus den Kapitalismus zu fördern im-stande sei, hat die Ökonomisten des 17. und 18. Jahrhunderts,die Praktiker wie die Theoretiker, auf das lebhafteste beschäftigt.Es war in gewissem Sinne die Kernfrage, um die sich alleanderen wirtschaftspolitischen Fragen gruppierten, wie heuteetwa die Frage: Agrar-oder Industriestaat? Man sprach da-mals zwar noch nicht von Kapitalismus , sondern nannte das,was man meinte: Industrie oder Manufakturen oder Reichtumoder sonstwie. Aber man war sich über die Sache einig; manerkannte, daß der Luxus diejenigen Wirtschaftsformen, die da-mals im Entstehen begriffen waren, eben die kapitalistischen,zur Entfaltung bringe, und deshalb waren alle Freunde desökonomischen „Fortschritts“ auch warme Fürsprecher desLuxus. Sie fürchteten höchstens, ein großer Luxuskonsumkönnte der Kapitalbildung Abbruch tun, trösteten sich aberwie Adam Smith mit der Überzeugung, daß schon genugsparsame Leute da sein würden, um die nötige Reproduktionund Akkumulation des Kapitals zu sichern.
Die Regierungen richteten ihre Politik in einem luxus-freundlichen Sinne ein.