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Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus
Während des 17. Jahrhunderts verschwinden in denLändern mit rasch fortschreitender kapitalistischer Entwick-lung die Aufwandsverbote; die letzte „Kleiderordnung“, dieaber auch Verbote bestimmter Luxusaufwendungen, bestimmterLeckerbissen usw. enthält, fällt in England in das Jahr 1621 128 ;in Frankreich 129 datiert das letzte Edikt über den Tafelluxusaus dem Jahre 1629; 1644 und 1672 wurde noch die über-mäßige Verwendung der Edelmetalle zu Luxuszwecken ver-boten (aus wesentlich münzpolitischen Erwägungen); 1656 be-gegnen wir noch einem Verbot der (Kastor-) Hüte über 50 1.,und 1708 wird die letzte Kleiderordnung in Frankreich er-lassen. Seitdem sind auch die regierenden Kreise von der„Notwendigkeit“ des Luxusaufwandes (im Interesse der kapi-talistischen Industrie) überzeugt, und die führenden Geisterder Literatur nahmen für den Luxus Partei (bis dann späterdie Gegenbewegung der Jean-Jacquisten einsetzt). Was sievor allem am Luxus schätzten, war seine marktbildende Kraft.
„II faut bien,“ meint Montesquieu 180 , „qu’il y ait duluxe (NB. in den Monarchien!). Si les riches n’y döpensentpas beaucoup, les pauvres mourront de faim.“
Einige sehr feine Bemerkungen über die Bedeutung desLuxus für die (früh-)kapitalistische Entwicklung finden wir inder zweiten Schrift des geistreichen Abb6 Coyer über den„handeltreibenden Adel“ 181 : „Le luxe tient de la nature dufeu qui öchauffe et qui peut brüler. S’il consume des mai-sons opulentes, il soutient nos manufactures. S’il absorbe lepatrimoine d’un dissipateur, il nourrit nos ouvriers. S’il dimi-nue les facultas du petit nombre, il multiplie les subsistancespubliques. Qu’on proscrive nos dtoffes de Lyon, nos dorures,nos tapisseries, nos dentelles, nos glaces, nos bijoux, nosSquipages, Töldgance de nos meubles, les dölices de nostables, je vois tout ä coup des millions de bras touiber dansTengourdissement; et j’entens autant de voix demander dupain . . .“