Richtige und falsche Problemstellung 135
Aus der reichen französischen „Luxusliteratur“ ragtunter den luxusfreundlichen Schriften hervor die
„Thöorie du Luxe ou Traitö dans lequel on entreprendd’ötablir que le Luxe est un ressort non seulement utile,mais möme indispensablement nöcessaire ä la prosperitö desEtats.“ 2 Yol. 1771. Sie trägt als Motto den Ausspruch Vol-taires imMondain: „Le superflu, chose tres-nöcessaire.“ Siehat den klugen Juden Pinto zum Verfasser.
Diese selbe Auffassung, daß der „Luxus“ zwar ein „Übel“,ein Laster sei, aber der Gesamtheit Nutzen bringe durch dieBeförderung der Industrie, war auch in England verbreitet:„Prodigality is a Vice that is prejudicial to the man butnot to Trade 132 .“ Selbst D. Hume 138 , trotz seiner stark„ethischen“ Färbung, kommt zu dem Ergebnis: „guter“Luxus ist gut, „schlechter“ Luxus ist zwar ein Laster, istaber immer noch besser als Faulheit, die wahrscheinlich anseine Stelle treten würde, wenn er wegfiele. Förmlich zueinem System der Sozialphilosophie ist diese Auffassung dannvon Bernard Mandeville in seiner Bienenfabel aus-gebildet worden. Die Verse, in denen er den „Luxus “ be-singt, lauten folgendermaßen 134 :
„The Root of Evil, Avarice
That damn’d ill natur’d baneful Vice,
Was Slave to ProdigalityThat noble Sin; whilst LuxuryEmploy’d a Million of the Poor,
And odious Pride a Million more:
Envy itself and Vanity,
Were Ministers of Industry;
Their darling Folly, Fickleness,ln diet , Furniture and Dress,
That stränge ridic’lous Vice, was madeThe very Wheel that tnrn’d the Trade.“
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„Der Geiz, dies scheußlich böse Laster,
Keins fluchwürdiger und verhaßter,