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War Sklave jener noblen SündeVerschwendung; während Luxus diente,
Millionen Arme zu erhalten;
Stolz gleichfalls, den so viele schalten.
Die Eitelkeit, der Neid selbst, sieBegünstigten die Industrie,
Die Sucht, die Mode mitzumachenIn Kleidung, Wohnung und andern Sachen— Belacht stets und bewundert zwar —,
Des Handels wahre Treibkraft war . .
(Ungedruckte Übersetzung des (t) Malers Graetzer.)
Ganz besonders lehrreich sind die Kapitel, die Defoe in seinem „Complete English Tradesman“ der Erörterungdieses Problems widmet. Es ist ein sehr drolliger Eiertanz,den unser braver Non-Conformist hier aufführt-, eigentlichverabscheut er den Luxus und bewundert jene Quäker, die miteitlem Tand zwar handeln, von sich selbst aber ihn fernhalten;aber als Lobredner des Handels kann er sich doch nicht zurVerdammung des luxuriösen Lebenswandels entschließen, vondem er einsieht — das ist für uns das Wichtige —, daß erdie Quelle alles wachsenden Reichtums ist: „The extravagantpride of the age feeds trade and consequently the poor.“Defoe gibt uns eine Menge Aufschlüsse über den wirklichenZusammenhang zwischen Luxus und Kapitalismus, von denenich an anderer Stelle den Leser noch unterrichten werde.
Auch unter den deutschen Schriftstellern ist die Luxus-frage viel besprochen und ist die Bedeutung des Luxus fürdie kapitalistische Entwicklung erkannt worden; so meintSchröder 135 : „Ich wolte lieber, daß der pracht im landenoch größer wäre . . . denn der pracht des reichen ernehretviel handwercksleute und arme . .
Man hätte nun denken sollen: als man in unserer Zeitdaran ging, der Entstehung des modernen Kapitalismus nach-zuspüren, hätte man diese Beobachtungen kluger und kenntnis-reicher Männer sich zunutze gemacht.
Aber das hat man nicht getan. Man hat zwar über den