Richtige und falsche Problemstellung
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Luxus viel geredet und hat über die Bedeutung des Marktesfür die kapitalistische Industrie viel theoretisiert; aber überdie Beziehungen zwischen Luxus und Markt hat mau nichtszu sagen gewußt. Offenbar weil man sowohl in der Luxus-frage wie in der Marktfrage auf ein totes Geleis gefahren war.
Dem Luxusproblem ist mau mit dem ganzen ethischenPathos des braven und genügsamen Bürgers zuleibe gegangenund hat es mit Hilfe moralisierender Raisounements kurzund klein erörtert. Selbst die Studien Roschers, die viel-leicht das Beste sind, was in unserer Zeit über den Luxusgeschrieben ist, laufen doch im Grunde auf ethische Senti-ments hinaus: was guter und was schlechter Luxus sei. UndWerke wie Baudrillarts „Geschichte des Luxus“ sindMaterialsammlungen.
In der Lehre vom Markte und seiner Bedeutung für dieEntstehung des Kapitals hat sich aber seit Marx die un-glückliche Idee festgesetzt: der Kapitalismus sei durch diegeographische Ausweitung der Absatzbeziehungen, insbesonderedurch die Erschließung der Kolonien im 16. Jahrhundertwesentlich gefördert worden. Oder wie der Gedanke in dermehr teleologisch orientierten Auffassung der historischenSchule der Nationalökonomie, dem sich daun fast alle Wirt-schafts-„Historiker“ anschlossen, gemodelt wurde: die räum-liche Ausweitung des Absatzes, der „Fernabsatz'“, der „Ex-port“ habe die kapitalistische Organisation „nötig“ gemacht.Diese Ansicht hat im letzten Menschenalter eine starke Stützegefunden in der Theorie Karl Büchers, dieses ausgezeich-neten Forschers und wahrhaft produktiven Denkers: Hand-werk = Kuudenproduktion; Kapitalismus = Produktion füreinen unbekannten Abnehmerkreis; Handwerk = lokaler Ab-satz; Kapitalismus = interlokaler Absatz.
Ich halte diese Richtung, die die Gedanken jetzt wohlaller Wirtschaftshistoriker genommen haben, für höchst ver-hängnisvoll. Denn, wie ich schon sagte, in ihr ist die For-