Der Luxus und der Handel
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sein kann, wird, die Hauptarbeit der Einzelbeweisführungdie nächste Generation der Wirtschaftshistoriker zu leistenhaben.
Was die Aufgabe so besonders schwierig macht, ist diesaloppe Art, in der bisher in der Regel über wirtschaftlicheTatsachen berichtet wird: wo von „wirtschaftlichem Auf-schwung“, „Ausdehnung der Produktion“, „Erweiterung desAbsatzgebietes“ und dergleichen die Rede ist und man nichtweiß: ist Handwerk oder Kapitalismus die Wirtschaftsform,also überhaupt nichts. Wesentlich mehr, als ich im folgen-den an Belegen zusammengestellt habe für die Beziehungenzwischen Luxus und Kapitalismus , wird sich daher im Augen-blick an der Hand des gedruckten Materials über das Pro-blem nicht aussagen lassen.
II. Der Luxus und der Handel
1. Der Großhandel
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Warenhandelfrüher kapitalistische Formen angenommen hat als die Güter-erzeugung. Ich habe zwar schwerwiegende Bedenken gegendie Annahme, daß während des Mittelalters die großen Häuserder italienischen oder südfrauzösischen oder spanischen odersüddeutschen Städte vornehmlich durch den Warenhandel zuihrem Reichtum gelangt seien, glaube vielmehr, daß andereMomente hier wesentlicher gewesen sind, jene wenigen Groß-geschäfte aus der Masse der kleinen Händler herauszuheben,will aber doch die Möglichkeit nicht ausschließen, daß auchreine Warenhandlungen sichzukapitalistischenUuternehmungenentwickelt haben. Dann aber — und das ist das, was unshier interessiert — ist es ganz sicher ein Handel mit Luxus-waren gewesen, der ihre Größe verursacht hat.
Aller irgendwie belangreiche Handel, bei dem allein einekapitalistische Organisation in Frage kommen kann, hat