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Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus
während des Mittelalters Italien zum Mittelpunkt, bestelltalso entweder in der Ausfuhr italienischer Erzeugnisse (oderder Einfuhr der für ihre Herstellung erforderlichen Rohstoffeund Halbfabrikate) oder in der Herbeischaffung und Zer-streuung der Waren, die der Orient lieferte.
Italiens Einfuhr aus den nordischen Ländern bestand vor-nehmlich in Wolle (für die Florentiner Luxusindustrie, vonder wir noch näheres erfahren werden), in Pelzwerk undfeinem Leinenzeug. Die Hauptmasse des italienischen Exportsmußte wahrscheinlich bar bezahlt werden (mit den Erträg-nissen namentlich der deutschen Silberminen).
Dagegen führte Italien nach Norden aus: Seide undSeidenwaren; feinste Tücher; feinste Glaswaren; Baumwolleund Baumwollwaren, die (wie wir noch sehen werden) bisin die Neuzeit hinein durchaus als Luxusgüter gelten; Wein;Waffen.
Ebenso dienten alle Waren, die man über Italien oder inItalien aus dem Orient bezog, dem Luxusbedürfnis der Reichen,wenn man etwa die von der Kirche nachgefragten Güter, wieden Weihrauch, ausnimmt, obwohl natürlich auch hier eindurch Yermögenskonzentration ermöglichter Luxusaufwandvorlag. Dabei rechne ich für jene Jahrhunderte des Mittel-alters und selbst der neueren Zeit bis in unsere menschen-freundlich-massenfürsorgliche Epoche hinein den Bedarf vonausländischen Medikamenten zum Luxusbedarf: das Volk undder Bürger kurierten sich noch mit den Kräutern aus, dieder Wald und das Feld ihrer Heimat darboten.
Die Warenliste, die Wilhelm Heyd für den Levante-handel aufstellt 136 , ist folgende (ich ordne die Gegenständenach dem Gebrauchszweck):
1. Medikamente, die auch als Würze für Speisen dienten:Aloe, Aloeholz (das nebenbei auch als Parfüm oder alsMaterial bei feinerem Schrein werk genutzt wurde), Balsam,Costus, Galanga, Galläpfel, Ingwer, Kampfer, Kardamom,